Würfelbasar – Istanbul – Das Würfelspiel von Rüdiger Dorn (Pegasus Spiele, 2017)

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Istanbul - Das Würfelspiel von Pegasus Spiele

Auf dem Basar von Istabul gibt es ein Würfelrennen

Mit Istanbul habe ich mich bereits vor längerem mal etwas ausführlicher beschäftigt und es gehört zu meinen liebsten „Rennspielen“. Aber es hat ein Problem. Trotz seines vergleichsweise einfachen Grund-Mechanismus, braucht man als Erklärbär relativ lange, bis es komplett erläutert ist. Das liegt ganz einfach an den vielen unterschiedlichen Orten und den damit verbundenen zahlreichen Aktionsmöglichkeiten. Bis man jeden Ort im Detail kurz erläutert hat, vergeht schon einige Zeit. Mit Erweiterungen noch mal entsprechend mehr. Ein Fakt, der Gelegenheitsspieler mitunter zu sehr anstrengt. Die Lösung, um neue Zielgruppen zu erreichen? Klar! Wir machen eine Verwürfelung. Als ich das Spiel dann auf dem Pegasus Pressetag spielen durfte, waren meine Erwartungen entsprechend tief gestapelt. Und zunächst schien sich der Eindruck auch zu bestätigen. Aber nach einem sehr zügigen Spiel in launiger Blogger-Runde änderte sich das… Istanbul goes Kniffel könnte man sagen. Nicht ganz, aber fast.


Wie Istanbul – Das Würfelspiel gespielt wird

Das Ziel von Istanbul – Das Würfelspiel folgt dem des großen Bruders: Möglichst schnell die roten Rubine sammeln und so gewinnen. Um dies zu erreichen stehen den Spielern unterschiedliche Bereiche auf der zentralen Auslage zur Verfügung. So kann man durch Abgabe einer bestimmten Menge an Ware (Obst, Gewürze, Stoff, Schmuck) an die Rubine kommen oder man kann sie auf der Geldleiste einfach käuflich erwerben. Wie kommt man nun an die Waren oder an Geld? Durch Würfel und deren Ergebnis natürlich.

Übersichtlicher Spielaufbau bei Istanbul - Das Würfelspiel (Quelle: Pegasus)

Übersichtlicher Spielaufbau bei Istanbul – Das Würfelspiel (Quelle: Pegasus)

In seinem Zug würfelt man die fünf Würfel und hat je nach Ergebnis verschiedene Möglichkeiten mit den Symbolen zu interagieren. Dabei darf der aktive Spieler jedoch nur zwei Aktionen je Zug durchführen. Die folgenden Aktionen stehen dabei zur Verfügung.

Für zwei gleiche Waren-Symbole auf den Würfeln kann man ein entsprechendes Warenplättchen nehmen. Dieses kann man dann im späteren Spielverlauf einsetzen, um so an Rubine zu kommen, auch wenn ich mal nicht ausreichend Warensymbole gewürfelt habe. Zusätzlich kann man für vier unterschiedliche Würfel zwei beliebige Plättchen nehmen oder für drei gleich eine Handelsware, eine Art „Joker“-Ware, die jede andere ersetzen kann.

Als weitere Option gibt es die Geldaktion, die pro gewürfeltem Geldsymbol 2 Lira einbringt. Für eine Geldaktion kann man beliebig viele Geldwürfel nutzen.

Für zwei unterschiedliche Warensymbole auf den Würfeln kann man sich einen Edelstein nehmen, mit dem man dann später eine beliebige Anzahl Würfel neu würfeln kann.
Und schließlich kann ich die Würfel auch einsetzen und Rubine erstehen.

Istanbul - Das Würfelspiel von Pegasus Spiele

Heute würfelt die 18 bis nach Istanbul

Nun wäre das eine vergleichsweise langweilige Würfelei, gäbe es nicht noch zwei Besonderheiten – die Moscheeplättchen und die Auftragskarten.
Die Auftragskarten liefern mir Aufgaben, die ich in meinem Zug erfüllen muss oder einfach eine Möglichkeit, um an Waren oder andere Dinge – mitunter sogar einen Rubin – zu kommen. Dabei gibt es Karten, die sich nur auf den aktiven Spieler beziehen sowie Karten, die auch für die Mitspieler einen kleinen Ertrag abwerfen. Die Karten erhält man über das Kartensymbol auf den Würfeln. Die in der Kartenaktion eingesetzten Würfel geben dabei vor, wie viele Karten man ziehen darf. Daraus wählt man dann jedoch nur eine aus. Die Auftragskarten liefern somit eine Art Turbo für meinen Basarspaziergang. Denn wenn man mal zufällig die richtigen Waren oder ein kleines Bakschisch erhält, kann das einen schon ganz gut anschieben.

Die Moscheeplättchen liefern im Gegensatz dazu dauerhafte Effekte und stellen sowas wie mein Netzwerk oder meinen Ruf auf dem Basar dar. Die meisten erhält man durch die Abgabe dreier gleichfarbiger Waren. Zu den dauerhaften Vorteilen zählen bspw. ein regelmäßiges Einkommen in Form von Waren oder Geld, eine dritte Aktion oder gar ein sechster Würfel, der allerdings die Abgabe von vier unterschiedlichen Waren kostet.
Wie beim großen Bruder endet Istanbul – Das Würfelspiel nachdem ein Spieler eine bestimmte Anzahl an Rubinen gesammelt hat. Die laufende Runde wird noch zu Ende gespielt und der Spieler mit den meisten Rubinen gewinnt dann das Spiel.


Was uns an Istanbul – Das Würfelspiel gefallen hat

Auf dem Basar von Istanbul bewegt man sich seit neuestem in Lichtgeschwindigkeit. Ein Rennen dauert mitunter kaum 20 Minuten und wenn alle flugs und schnell ihre Züge tätigen, dann auch schon mal nur etwas mehr als zehn Minuten. Das ist genau das, was man von einer Verwürfelung eines Kennerspiels erwartet. Das Spielgefühl, dass es sich um ein Rennen handelt, bleibt dabei weitgehend erhalten.

Ich habe das Spiel mittlerweile in allen Besetzungen mehrfach spielen können und muss sagen, dass es sich mit jeder Spieleranzahl wirklich gut spielen lässt. Zu zweit ist es natürlich noch mal schneller, aber es funktioniert genauso gut wie zu viert.

Die Spielregel ist gut aufgebaut und dürfte auch Gelegenheitswürfler nicht vor allzu große Rätsel stellen. Die Symbolik und die Ikonografie ist zudem hinreichend eindeutig, auch wenn man in den ersten beiden Partien das ein oder andere Symbol noch mal nachschlagen muss.
Das Material ist hochwertig für ein Spiel dieser Klasse. Glitzernde Rubine und Edelsteine wissen zu gefallen. Die großen, geprägten und farbig bedruckten Holzwürfel sind tadellos und auch die Pappteile sind dick genug, um als hochwertig wahrgenommen zu werden.


Was uns an Istanbul – Das Würfelspiel nicht gefallen hat

Material von Istanbul - Das Würfelspiel

Vor dem Rennen muss man mal ein wenig sortieren…

Die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit hat nun eben auch Istanbul und seinen Basar erreicht. Wir hatten manchmal das Gefühl, dass die Verwürfelung etwas zu schnell vorbei war. Nicht, dass man es künstlich verlängern sollte. Dennoch beschleunigt sich das Spiel mitunter so sehr, dass es als Concorde der Verwürfelungen gelten kann. Das Auslegen der Rubine auf der zentralen Auslage und das Anrichten der Moschee-Plättchen und Aufträge dauert mitunter fast genauso lange wie das Spiel selbst. Man sollte also mindestens zwei Partien spielen, damit sich Auf- und Abbau lohnen.

Ein größeres Problem liegt aber in der Art des Spiels selbst. Denn Würfelspiele haben ein Problem – die Würfel. Das kommt natürlich auch bei Istanbul – Das Würfelspiel zum Tragen. Fallen bei einem Spieler zu Beginn des Spiels die Würfel allzu gut, dann zieht er sehr schnell mit den einfach zu erwerbenden Rubinen davon und die Mitspieler bleiben in seiner Staubwolke auf dem Basar zurück. Gerade die mit vier gleichen Waren zu erhaltenden Rubine können dann und wann den Sieg ausmachen, wenn die Würfel zu Beginn für einen Spieler günstig fallen. Das gleicht sich dann auch kaum noch aus, werden die nachfolgenden Rubine doch aufgrund der steigenden Kosten deutlich schwieriger zu erwerben sein. Bis andere Strategien – bspw. über die Moscheeplättchen – greifen, ist meistens zu viel Zeit vergangen.

Lösen kann man beide vorgenannten Problemchen durch eine Satzlogik wie im Tennis: Man spielt mehrere Partien und wer mehr Partien (Sätze) gewinnt, gewinnt insgesamt. Alternativ kann man auch die Summe der in den einzelnen Sätzen ergatterten Rubine nutzen, um den Sieger zu küren. So entzerrt sich der Glücksfaktor und der Aufbau hat sich auf jeden Fall auch gelohnt.

Allerdings vermisse ich einen wesentlichen Aspekt des großen Bruders. Beim Istanbul-Brettspiel habe ich durch den Bewegungsmechanismus (Kaufmann und Gehilfen) stets das Gefühl über einen Basar zu hetzen und unterschiedliche Orte zu besuchen. Das geht hier natürlich komplett verloren und entfremdet das Spiel etwas. Man ist etwas neutraler unterwegs was das Thema angeht und beschränkt sich nur auf einen gut funktionierenden Würfelmechanismus. Das mag für alle die funktionieren, die Istanbul nicht kennen, für alle anderen ist die Würfelvariante möglicherweise etwas zu stark entthematisiert.


Fazit zu Istanbul – Das Würfelspiel

Die Verwürfelung eines komplexeren Spiels ist aus meiner Sicht immer eine Gratwanderung. Mal klappt es sehr gut (La Granja – No Siesta, Nations – Das Würfelspiel), mal klappt es schlechter (Burgen von Burgund – Das Würfelspiel). Im Fall von Istanbul – Das Würfelspiel würde ich von einem Remis sprechen wollen. Es ist nicht schlecht, kommt aber nicht an die bereits zuvor genannten sehr guten Verwürfelungen heran. Das grundsätzliche Spielgefühl wird recht gut transportiert, aber es fehlt für mich das Gefühl, dass ich mich über einen Basar bewege. Der fehlende Bewegungsmachanismus neutralisiert das Spielgefühl ein wenig zu stark. Nichtsdestotrotz lasse ich meine Würfel gerne über den Istanbuler Basar rollen und halte es für ein gutes Würfelspiel, das man auch mit Gelegenheitsspielern oder Heranwachsenden sehr gut spielen kann.

Januar 24th, 2018 by