L.A.M.A. Lama Amigo Spiele Wuerfelmagier Würfelmagier Spiel Gefühl Rezension
Februar 22nd, 2019 by Dirk
Lesezeit: 3 Minuten
Eine Partie L.A.M.A. Oder Lama geht schnell
Ein Königreich für eine passende Karte…

Nein, nicht L.M.A.A., L.A.M.A. ist korrekt. Wobei ersteres auch angebracht wäre ab und zu.

Ich habe bisher nicht herausgefunden, was es mit der Abkürzung auf sich hat. Ist euch das auch schon mal aufgefallen? Sobald man Punkte zwischen zwischen die Buchstaben eines Wortes macht, will jeder darin eine Abkürzung sehen und beginnt zu rätseln, was es bedeuten könnte. Vielleicht hat man es ja einfach nur so gemacht, weil es cool aussieht. Wie auch immer… L.A.M.A. soll schnell gehen und verrückt sein oder machen. Zumindest impliziert dies ein verrücktes Lama – hier ohne coole Punkte – auf dem Cover. Warum Lamas immer verrückt sein sollen, weiß ich auch nicht. Wie dem auch sei, L.A.M.A. (Meine Güte, die Punkte nerven beim Schreiben) ist ein Kartenspiel, das auch noch einige als Flohchips berühmt gewordene Zählmarker enthält. Und es geht wirklich schnell. Ziel von L.A.M.A. (langsam bekomme ich Übung im Punkte zwischen Buchstaben machen) ist es, als erster alle Karten loszuwerden. Gelingt das durch geschicktes und glückliches Ausspielen der eigenen Handkarten, darf man einen Flohchip abgeben (egal ob ein weißer 1er oder schwarzer 10er Chip). Alle Karten der Spieler, die nicht gepasst haben bevor einer der Spieler alle Karten losbekommen hat, zählen dann als Minuspunkte. Diese werden in Abhängigkeit des Kartenwerts auf der Hand vergeben. Wer als erstes 40 Minuspunkte erreicht oder überschreitet gewinnt nicht, beendet aber das Spiel. Denn es gewinnt natürlich der mit den wenigsten Minusmarkern.


Alles klar, los geht‘s! Erste Runde. Karte ablegen, Karte nachziehen, Karte legen, Karte legen. So geht es reihum. Eigentlich recht langweilig 😑. Oh, der hat ja nur noch 2 Karten. Und ich aber 5!!! Und ich hab‘ auch noch ein Lama! Das zählt 10 Minuspunkte! Was soll das denn!? Schnell eine weitere Karte ablegen. Er kann nicht! Haha!!! Jetzt passt der!!!! Und sie macht fertig. Letzte Karte….Mist. 13 Minuspunkte… ☹️


So in etwa läuft eine Runde vom Gefühl her ab bei L.A.M.A. (hätte ich nun hinter den Punkt der Abkürzung eigentlich wieder einen Punkt machen müssen?) Es geht schnell, ist rasant, simpel, banal und macht Laune. Der Clou dabei ist, dass man gut taktieren muss, wann man passt, weil man nur noch wenige Minuspunkte auf der Hand hat und lieber diese nimmt, anstatt dauernd unpassende Karten nachzuziehen. So geht man vielleicht mit einem oder zwei Minuspünktchen aus dem Rennen und lässt die anderen sich die Hände vollziehen. Denn natürlich ist es ein reines Glücksspiel, ob man eine passende Karte bekommt. Und irgendwann sind vielleicht auch keine 5er oder 6er mehr da, dann ist Ende Gelände. Wenn der Nachziehstapel nämlich leer ist, endet das Spiel dann auch irgendwann. Es wird nämlich nicht wieder aufgefüllt. Ein natürlicher Tod quasi…

Ob L.A.M.A. oder Lama, es macht einfach Spaß!

L.A.M.A. hat mich wirklich überrascht. Es ist so simpel, dass es schon wieder genial ist. Es ist so banal, dass man es erst mal gar nicht spielen mag. Und dann nach ein zwei Runden surft man auf der Welle und knallt die Karten raus, dass es eine wahre Pracht ist. Und ein bisschen verrückt wird man auch. Zum Beispiel, wenn man mit 4 Minuspunkten passt und ein anderer seine ganzen Handkarten noch loswird und aufspringt und johlt und 10er Chips zurückgeben während man selbst vier 1er Chips nehmen muss… Da hat der Herr Knizia mal wieder ein prima Spiel abgeliefert. Je mehr Runden ich mit dem verrückten Lama verbringe, desto besser finde ich es. Und dass es einen erheblichen Glücksanteil gibt, geschenkt! Und als hätten es die Redakteuere schon geahnt, steht ja schon auf der Packung: Nimm‘s lässig!
Für mich ist L.A.M.A. von Dr. Reiner Knizia die Überraschung unter den Frühjahrsneuheiten…

PS: Ich habe es doch noch rausgefunden (Kunststück: steht gleich am Anfang der Spielregel und auf der Packung 😂). L.A.M.A. steht für Lege Alle Minuspunkte Ab. Macht Sinn und erklärt das Lama. Ab damit in die Boardgame Trivia Schublade…

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August 8th, 2017 by Dirk

Lesezeit: 4 Minuten„Sie sind mir auf den Fersen! Ich muss mich beeilen! Noch diesen Dschungelstreifen, einmal über den Fluss und dann bin ich da…“ Doch plötzlich erscheint kurz vor dem Fluss ein anderer Forscher, der mir den Ruhm streitig machen will. Endspurt ist angesagt! Nun kommt es darauf an, die richtige Unterstützung zur Hand zu haben…

Ich muss zugeben, dass ich zunächst dachte: Oh…ein Wettlauf-Spiel – wie langweilig. Aber bei genauerer Beschäftigung mit dem Spiel und dem Mechanismus zeigte sich – mal wieder -, dass man ein Buch nicht nur nach dem Umschlag beurteilen sollte. Nicht umsonst befand sich Wettlauf nach El Dorado auch im Wettlauf um die Krone zum Spiel des Jahres, auch wenn es hier leider ins Hintertreffen geraten ist und den Thron einem anderen Spiel überlassen musste. Ob es dennoch überzeugen kann?

 

Wie es gespielt wird

Wettlauf nach El Dorado – ich nenne es ab hier einfach nur noch El Dorado – ist ein sogenanntes Deckbuilding Spiel. Bei dieser Art von Spiel versucht man das eigene Deck an Karten so weit zu optimieren, dass man möglichst schnell vorankommt und nicht zu viel Ballast mit sich herumträgt. Bei El Dorado ist dieser Mechanismus durch Reiner Knizia bis auf den absoluten Kern reduziert worden. Jeglicher Speck wurde weggeschmolzen.

Um loszurennen, wird zunächst die „Rennstrecke“ aufgebaut und mit ein paar Blockaden gespickt. So hat jeder Spieler zunächst einen Eindruck, welche Fähigkeiten er benötigt, um als erster El Dorado zu erreichen. Jeder Spieler erhält ein Set aus acht Basis-Karten von denen er zunächst vier auf die Hand bekommt. Auf dem Tisch befindet sich zudem eine Marktauslage, mittels derer man im Spielverlauf die eigene Kartenhand verbessern kann. Und natürlich werden die Forscher noch auf dem Plan platziert.

In seinem Spielzug kann der Spieler nun so viele Handkarten wie er möchte ausspielen. Diese ermöglichen ihm entweder eine Bewegung auf dem Spielplan oder den Kauf einer neuen Karte vom Markt. Einige Karten ermöglichen auch Sonderaktionen, wie beispielsweise Karten vom persönlichen Nachziehstapel zu nehmen und andere Handkarten ganz zu entsorgen (auf diese Weise hält man sein Kartendeck schlank).

Wirkt die Auslage der Marktkarten zunächst erschlagend, so zeigt sich nach kurzer Beschäftigung damit, dass es im wesentlichen alles recht ähnliche Kartentypen sind. Sie unterscheiden sich in kleineren Details, die die Spieler schnell erfassen können. Die Marktauslage hat dabei in sich einen eigenen Mechanismus. So sind zunächst nur sechs Kartentypen verfügbar. Erst wenn einer dieser sechs Kartentypen ausverkauft ist, kann der einkaufende Spieler aus den anderen bisher noch nicht verfügbaren Karten auswählen. Dieser „Kartenstapel“ (jeder besteht nur aus drei Karten) wandert dann in die Marktauslage und schließt die entstandene Lücke.

Erreicht ein Spieler in einer Runde El Dorado, wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt. Sollte dabei ein weiterer Spieler El Dorado erreichen, gewinnt der Spieler, der mehr Blockaden aus dem Weg geräumt hat.

 

Was uns gefallen hat

Deckbuilding für Familien in einem Wettlauf Spiel. Ersteres liebe ich, letzteres…na ja…gab es schon so oft. Aber ich muss sagen, dass Reiner Knizia es wirklich geschafft hat, beide Mechanismen gut zu verbinden. Gerade den Deckbuilding-Teil hat er familientauglich auf seinen innersten Kern reduziert. Und der Wettlauf-Aspekt tritt vor allem gegen Ende des Spiels zu Tage, wenn es darum geht alles rauszuholen aus seinem Forscher und mit einem letzten Sprung über den Wassergraben El Dorado zu erreichen.

Auch zu zweit funktioniert es recht gut. Und durch die Reduktion des Mechanismus ist es auch wirklich schon mit neunjährigen Kindern zu spielen – entsprechende Sozialisation vielleicht vorausgesetzt.

Das Spiel geht flott von der Hand, die Wartezeiten sind gering und es ist schnell zu lernen. Die doppelseitigen Kartenteile lassen sich zu unterschiedlichen Strecken zusammensetzen. So lassen sich Schwierigkeit und Länge des Spiels beeinflussen. Die Variabilität ist also hoch genug für zahlreiche Partien auf dem Weg ins El Dorado. Die unterschiedlichen Strecken spielen sich in der Tat auch sehr unterschiedlich und bedingen andere Schwerpunkte beim Zusammenstellen des Kartendecks. Dazu kommen unterschiedliche Schwierigkeitsstufen bei den Strecken, so dass auch Vielspieler durchaus ihren Spaß daran haben können.

 

Was uns nicht gefallen hat

Rennspiele bei denen man über Landschaftsfelder hechtet erscheinen heutzutage etwas altbacken. Und so verliert El Dorado für mich nach ein paar Partien ein wenig den Spielspaß, der bei Vielspielern bei diesem Spiel ohnehin nicht unendlich hoch sein dürfte. Thematisch mag das Forscher-Thema mich vielleicht nicht überzeugen, Familien oder Gelegenheitsspieler dürfte es jedoch gefallen. Im Kern ist und bleibt es ein Wettrennen und der Glücksfaktor beim Kartenzehn kann einem auch schon mal in die Parade fahren, was bei vielen (allen?) Deckbauspielen ein Manko ist.

Ein weiteres Manko aus meiner Sicht ist die relativ starre Auslage im Markt. Hier landen stets die selben sechs Karten zum Start in der Marktauslage. Hier hätte ich mir mehr Variabilität gewünscht.

Das variable Spielbrett neigt zudem ein wenig zum Driften auf glatten Tischen und im Eifer des Gefechts kann es durchaus mal dazu kommen, dass man es neu puzzeln muss.

Das Auflösen der Blockaden ist für mich ein etwas unnötig wirkendes Überraschungselement. Meistens war es so, dass ein Spieler einen „Lauf“ hatte, nahezu alle Blockaden geöffnet hat und auch als erster nach El Dorado kam. Somit hätte er ohnehin sicher gewonnen. Oder zwei Spieler kämpfen um die Führung und teilen die Blockaden unter sich auf. Insbesondere im Startszenario führte das häufig zu einem Patt bei den Blockaden, da diese in gerader Anzahl ausgelegt werden.

 

Fazit

El Dorado ist ein tolles und schnell zu erlernendes Familienspiel, das den Deckbuilding Mechanismus einer neuen Zielgruppe näher bringen könnte. So gelingt dem Spiel vielleicht der Spagat zwischen Familienspiel und Gateway Game, das interessierte Spieler in die Welt der Deckbuilding Spiele einführt. Oder man rennt einfach immer wieder und wieder nach El Dorado.

Das Wettrennen um den Pöppel zum Spiel des Jahres hat Wettlauf nach El Dorado zwar leider nicht gewonnen, denn es wäre ein würdiger Preisträger gewesen, der durchaus auch langfristig immer wieder auf den Tisch kommen wird. Aber durch die Nominierung wurde und wird dem Spiel ja auch eine gewisse Aufmerksamkeit zuteil, die es vielleicht in den ein oder anderen Haushalt bringt. Es wäre aus meiner Sicht wünschenswert.

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