Rezension Istanbul Würfelspiel Würfelmagier Wuerfelmagier
Januar 24th, 2018 by Dirk
Lesezeit: 5 Minuten
Istanbul - Das Würfelspiel von Pegasus Spiele

Auf dem Basar von Istanbul gibt es ein Würfelrennen

Mit Istanbul habe ich mich bereits vor längerem mal etwas ausführlicher beschäftigt und es gehört zu meinen liebsten „Rennspielen“. Aber es hat ein Problem. Trotz seines vergleichsweise einfachen Grund-Mechanismus, braucht man als Erklärbär relativ lange, bis es komplett erläutert ist. Das liegt ganz einfach an den vielen unterschiedlichen Orten und den damit verbundenen zahlreichen Aktionsmöglichkeiten. Bis man jeden Ort im Detail kurz erläutert hat, vergeht schon einige Zeit. Mit Erweiterungen noch mal entsprechend mehr. Ein Fakt, der Gelegenheitsspieler mitunter zu sehr anstrengt. Die Lösung, um neue Zielgruppen zu erreichen? Klar! Wir machen eine Verwürfelung. Als ich das Spiel dann auf dem Pegasus Pressetag spielen durfte, waren meine Erwartungen entsprechend tief gestapelt. Und zunächst schien sich der Eindruck auch zu bestätigen. Aber nach einem sehr zügigen Spiel in launiger Blogger-Runde änderte sich das… Istanbul goes Kniffel könnte man sagen. Nicht ganz, aber fast.


Wie Istanbul – Das Würfelspiel gespielt wird

Das Ziel von Istanbul – Das Würfelspiel folgt dem des großen Bruders: Möglichst schnell die roten Rubine sammeln und so gewinnen. Um dies zu erreichen stehen den Spielern unterschiedliche Bereiche auf der zentralen Auslage zur Verfügung. So kann man durch Abgabe einer bestimmten Menge an Ware (Obst, Gewürze, Stoff, Schmuck) an die Rubine kommen oder man kann sie auf der Geldleiste einfach käuflich erwerben. Wie kommt man nun an die Waren oder an Geld? Durch Würfel und deren Ergebnis natürlich.

Übersichtlicher Spielaufbau bei Istanbul - Das Würfelspiel (Quelle: Pegasus)

Übersichtlicher Spielaufbau bei Istanbul – Das Würfelspiel (Quelle: Pegasus)

In seinem Zug würfelt man die fünf Würfel und hat je nach Ergebnis verschiedene Möglichkeiten mit den Symbolen zu interagieren. Dabei darf der aktive Spieler jedoch nur zwei Aktionen je Zug durchführen. Die folgenden Aktionen stehen dabei zur Verfügung.

Für zwei gleiche Waren-Symbole auf den Würfeln kann man ein entsprechendes Warenplättchen nehmen. Dieses kann man dann im späteren Spielverlauf einsetzen, um so an Rubine zu kommen, auch wenn ich mal nicht ausreichend Warensymbole gewürfelt habe. Zusätzlich kann man für vier unterschiedliche Würfel zwei beliebige Plättchen nehmen oder für drei gleich eine Handelsware, eine Art „Joker“-Ware, die jede andere ersetzen kann.

Als weitere Option gibt es die Geldaktion, die pro gewürfeltem Geldsymbol 2 Lira einbringt. Für eine Geldaktion kann man beliebig viele Geldwürfel nutzen.

Für zwei unterschiedliche Warensymbole auf den Würfeln kann man sich einen Edelstein nehmen, mit dem man dann später eine beliebige Anzahl Würfel neu würfeln kann.
Und schließlich kann ich die Würfel auch einsetzen und Rubine erstehen.

Istanbul - Das Würfelspiel von Pegasus Spiele

Heute würfelt die 18 bis nach Istanbul

Nun wäre das eine vergleichsweise langweilige Würfelei, gäbe es nicht noch zwei Besonderheiten – die Moscheeplättchen und die Auftragskarten.
Die Auftragskarten liefern mir Aufgaben, die ich in meinem Zug erfüllen muss oder einfach eine Möglichkeit, um an Waren oder andere Dinge – mitunter sogar einen Rubin – zu kommen. Dabei gibt es Karten, die sich nur auf den aktiven Spieler beziehen sowie Karten, die auch für die Mitspieler einen kleinen Ertrag abwerfen. Die Karten erhält man über das Kartensymbol auf den Würfeln. Die in der Kartenaktion eingesetzten Würfel geben dabei vor, wie viele Karten man ziehen darf. Daraus wählt man dann jedoch nur eine aus. Die Auftragskarten liefern somit eine Art Turbo für meinen Basarspaziergang. Denn wenn man mal zufällig die richtigen Waren oder ein kleines Bakschisch erhält, kann das einen schon ganz gut anschieben.

Die Moscheeplättchen liefern im Gegensatz dazu dauerhafte Effekte und stellen sowas wie mein Netzwerk oder meinen Ruf auf dem Basar dar. Die meisten erhält man durch die Abgabe dreier gleichfarbiger Waren. Zu den dauerhaften Vorteilen zählen bspw. ein regelmäßiges Einkommen in Form von Waren oder Geld, eine dritte Aktion oder gar ein sechster Würfel, der allerdings die Abgabe von vier unterschiedlichen Waren kostet.
Wie beim großen Bruder endet Istanbul – Das Würfelspiel nachdem ein Spieler eine bestimmte Anzahl an Rubinen gesammelt hat. Die laufende Runde wird noch zu Ende gespielt und der Spieler mit den meisten Rubinen gewinnt dann das Spiel.


Was uns an Istanbul – Das Würfelspiel gefallen hat

Auf dem Basar von Istanbul bewegt man sich seit neuestem in Lichtgeschwindigkeit. Ein Rennen dauert mitunter kaum 20 Minuten und wenn alle flugs und schnell ihre Züge tätigen, dann auch schon mal nur etwas mehr als zehn Minuten. Das ist genau das, was man von einer Verwürfelung eines Kennerspiels erwartet. Das Spielgefühl, dass es sich um ein Rennen handelt, bleibt dabei weitgehend erhalten.

Ich habe das Spiel mittlerweile in allen Besetzungen mehrfach spielen können und muss sagen, dass es sich mit jeder Spieleranzahl wirklich gut spielen lässt. Zu zweit ist es natürlich noch mal schneller, aber es funktioniert genauso gut wie zu viert.

Die Spielregel ist gut aufgebaut und dürfte auch Gelegenheitswürfler nicht vor allzu große Rätsel stellen. Die Symbolik und die Ikonografie ist zudem hinreichend eindeutig, auch wenn man in den ersten beiden Partien das ein oder andere Symbol noch mal nachschlagen muss.
Das Material ist hochwertig für ein Spiel dieser Klasse. Glitzernde Rubine und Edelsteine wissen zu gefallen. Die großen, geprägten und farbig bedruckten Holzwürfel sind tadellos und auch die Pappteile sind dick genug, um als hochwertig wahrgenommen zu werden.


Was uns an Istanbul – Das Würfelspiel nicht gefallen hat

Material von Istanbul - Das Würfelspiel

Vor dem Rennen muss man mal ein wenig sortieren…

Die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit hat nun eben auch Istanbul und seinen Basar erreicht. Wir hatten manchmal das Gefühl, dass die Verwürfelung etwas zu schnell vorbei war. Nicht, dass man es künstlich verlängern sollte. Dennoch beschleunigt sich das Spiel mitunter so sehr, dass es als Concorde der Verwürfelungen gelten kann. Das Auslegen der Rubine auf der zentralen Auslage und das Anrichten der Moschee-Plättchen und Aufträge dauert mitunter fast genauso lange wie das Spiel selbst. Man sollte also mindestens zwei Partien spielen, damit sich Auf- und Abbau lohnen.

Ein größeres Problem liegt aber in der Art des Spiels selbst. Denn Würfelspiele haben ein Problem – die Würfel. Das kommt natürlich auch bei Istanbul – Das Würfelspiel zum Tragen. Fallen bei einem Spieler zu Beginn des Spiels die Würfel allzu gut, dann zieht er sehr schnell mit den einfach zu erwerbenden Rubinen davon und die Mitspieler bleiben in seiner Staubwolke auf dem Basar zurück. Gerade die mit vier gleichen Waren zu erhaltenden Rubine können dann und wann den Sieg ausmachen, wenn die Würfel zu Beginn für einen Spieler günstig fallen. Das gleicht sich dann auch kaum noch aus, werden die nachfolgenden Rubine doch aufgrund der steigenden Kosten deutlich schwieriger zu erwerben sein. Bis andere Strategien – bspw. über die Moscheeplättchen – greifen, ist meistens zu viel Zeit vergangen.

Lösen kann man beide vorgenannten Problemchen durch eine Satzlogik wie im Tennis: Man spielt mehrere Partien und wer mehr Partien (Sätze) gewinnt, gewinnt insgesamt. Alternativ kann man auch die Summe der in den einzelnen Sätzen ergatterten Rubine nutzen, um den Sieger zu küren. So entzerrt sich der Glücksfaktor und der Aufbau hat sich auf jeden Fall auch gelohnt.

Allerdings vermisse ich einen wesentlichen Aspekt des großen Bruders. Beim Istanbul-Brettspiel habe ich durch den Bewegungsmechanismus (Kaufmann und Gehilfen) stets das Gefühl über einen Basar zu hetzen und unterschiedliche Orte zu besuchen. Das geht hier natürlich komplett verloren und entfremdet das Spiel etwas. Man ist etwas neutraler unterwegs was das Thema angeht und beschränkt sich nur auf einen gut funktionierenden Würfelmechanismus. Das mag für alle die funktionieren, die Istanbul nicht kennen, für alle anderen ist die Würfelvariante möglicherweise etwas zu stark entthematisiert.


Fazit zu Istanbul – Das Würfelspiel

Die Verwürfelung eines komplexeren Spiels ist aus meiner Sicht immer eine Gratwanderung. Mal klappt es sehr gut (La Granja – No Siesta, Nations – Das Würfelspiel), mal klappt es schlechter (Burgen von Burgund – Das Würfelspiel). Im Fall von Istanbul – Das Würfelspiel würde ich von einem Remis sprechen wollen. Es ist nicht schlecht, kommt aber nicht an die bereits zuvor genannten sehr guten Verwürfelungen heran. Das grundsätzliche Spielgefühl wird recht gut transportiert, aber es fehlt für mich das Gefühl, dass ich mich über einen Basar bewege. Der fehlende Bewegungsmachanismus neutralisiert das Spielgefühl ein wenig zu stark. Nichtsdestotrotz lasse ich meine Würfel gerne über den Istanbuler Basar rollen und halte es für ein gutes Würfelspiel, das man auch mit Gelegenheitsspielern oder Heranwachsenden sehr gut spielen kann.

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September 6th, 2016 by Dirk
Lesezeit: 4 Minuten

Mit „Brief&Siegel“ wurde gerade die zweite Erweiterung für das Kennerspiel des Jahres 2014 „Istanbul“ vorgestellt. Was sie hinzufügt und wie sich das Spiel verändert versuche ich hier kurz zusammenzufassen. Istanbul und seine Erweiterungen sind bei Pegasus Spiele erschienen und Autor ist Rüdiger Dorn.

Wie es gespielt wird

In Istanbul sind wir Kaufleute, die sich über den Basar von Istanbul bewegen und an den verschiedenen Orten Aktionen ausführen, die uns unserem Ziel näherbringen sollen – Rubine sammeln. Jeder Spieler hat einen Handkarren, mit dem er die Waren des Marktes transportiert. Diesen kann man in der Wagnerei ausbauen, um mehr Waren zu transportieren. Hat man das drei Mal getan, dann hat er seine maximale Größe erreicht und man erhält einen Bonus-Rubin. Um schlussendlich an weitere Rubine zu kommen, kann man im Palast des Sultans Waren abliefern oder Geld, welches man auf einem der beiden  Märkte verdient hat, zum Edelsteinhändler bringen. Zusätzlich kann man Bonuskarten bekommen und ausspielen, die einem kleine Vorteile verschaffen oder in den Moscheen Sonderplättchen erlangen, die gewisse Regeln des Spiels außer Kraft setzen oder einen fünften Gehilfen für den Kaufmann liefern.

Innovativ ist bei Istanbul der Mechanismus der Aktionswahl, denn man bewegt sich auf ein Ortsfeld und lässt dort einen seiner Gehilfen zurück. Von dort geht es weiter zum nächsten Ort. Um die Gehilfen wieder einzusammeln gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder muss man zurück zum Brunnen, dann kommen alle dorthin zurück und scharen sich wieder um den Kaufmann oder man sammelt sie wieder ein, indem man die Orte auf denen sich die Gehilfen befinden erneut besucht. Im Endeffekt geht also darum, sich möglichst effizient zu bewegen

 

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Der große Basar von Istanbul

Die erste Erweiterung „Mokka&Bakschisch“ bringt als neue Ressource Kaffee ins Spiel. Durch den Kaffee kann man bspw. im Kaffeehaus oder in der Taverne Rubine erhalten. Zusätzlich kann man in der Taverne den Mitspielern das Leben schwer machen, indem man eine Sperre zwischen zwei Orte legt, die man nur noch selbst passieren kann. Kaffee erhält man natürlich in der Kaffeerösterei. Insgesamt gibt es hier neue Möglichkeiten an Rubine zu kommen. Durch die Gildenhalle kann man die sehr mächtigen Gildenkarten erhalten, die mächtige Vorteile bringen und deren Ausspielen deshalb auch als kompletter Spielzug zählt.

 

Die zweite Erweiterung „Brief&Siegel“ fügt nun wieder neue Möglichkeiten hinzu und ermöglicht mit der Variante „Der große Basar“ ein Spiel  auf 25 verschiedenen Orten. Die neuen Orte addieren wieder eine neue Möglichkeit an Rubine zu kommen. Durch Abgabe von Siegeln erhält man beim Geheimbund Rubine (quasi Informationen gegen Geld). Mit den Katakomben gibt es eine Möglichkeit sich etwas schneller über das dann große Spielfeld zu bewegen. Interessanteste Neuerung ist der Kompagnon, der sich unabhängig vom Kaufmann bewegt und ebenfalls Ortsaktionen auslösen kann – allerdings ist er langsamer als der Kaufmann mit seinem Gefolge. Der Kiosk bietet dazu die Möglichkeit schnell an kleine Boni zu gelangen und das Aktionshaus liefert zwei Bonuskarten an den Höchstbietenden.

Was uns gefallen hat

Istanbul mit beiden Erweiterungen ist nun ein wirklich großes Spiel mit ausreichend Komplexität und vielen Möglichkeiten. Schön ist dabei, dass die Spielzeit nicht ins Unendliche wächst, da man nun einfach mehr und vielfältige Möglichkeiten hat, an Rubine zu gelangen. Die DNA des Spiels – das Wettrennen auf dem Basar – verändert sich durch die Erweiterungen nicht. Der Kompagnon ermöglicht trotz sehr großem Spielfeld weiterhin kurze Wege. Das Material ist qualitativ hochwertig und die Regeln klar und mit wenig Interpretationsspielraum. Kann man Istanbul im Basisspiel noch mit Gelegenheitsspielern gut spielen, so ist es mit den beiden Erweiterungen zu einem echten Vielspielerspiel geworden, an das man Gelegenheitsspieler behutsam heranführen muss. Aus unserer Sicht ist das Spiel nun komplett und bietet auch im Fünf-Spieler-Spiel ausreichend Platz und Variation, damit unterschiedliche Strategien und Taktiken genutzt werden können. Wirklich toll und variantenreich!

Was uns nicht gefällt

Es ist wenig zu vermelden an dieser Stelle, denn Istanbul mit Erweiterungen ist weiterhin das Spiel, das es bereits im Grundspiel war. Allerdings zeigt sich im Fünf-Spieler-Spiel nun eine kleine Schwäche: Die Wartezeit zwischen den einzelnen Spielzügen  wird teilweise etwas zu lang. Vor allem gegen Ende, wenn man einen klaren Plan hat, kann dies nervig sein und die Spieldauer etwas verlängern. Trotzdem ist die Spielzeit auch zu fünft noch tragbar und bewegte sich bei uns bei etwa zwei Stunden inklusive häufiger kleinerer Regelüberprüfungen. Nach Kenntnis aller Funktionen und Regeln der neuen Erweiterung könnte es ggf. etwas schneller gehen. Generell negativ ist, dass man in der Regel schon ein paar Züge vor Ende weiß, wer gewinnen wird und man nur noch wenig Möglichkeiten hat, dies zu verhindern. Hier wünsche ich mir noch ein kleines überraschendes Element, welches vor den Mitspielern verdeckt ist. Vielleicht ja doch noch was für eine Erweiterung. 😉

Fazit

Istanbul gewinnt durch die beiden Erweiterungen erheblich an Möglichkeiten und es eröffnen sich ganz neue Strategien. Die Spielzeit wächst nur unwesentlich und nur mit fünf Mitspielern erhöht sich die Wartezeit zwischen den Zügen etwas zu sehr. Wir hatten sehr viel Spaß und gegen Ende war die Anspannung der Mitspieler deutlich spürbar. Istanbul bleibt ein großes Wettrennen auf dem Basar und das ist auch gut so!

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