Mai 24th, 2017 by Dirk

Da ist sie – DIE Liste – ENDLICH! Tausende Podcast-Minuten und Blogger-Worte wurden bereits im Vorfeld aufgewendet, um die Nominierten zum Spiel des Jahres korrekt vorherzusehen. Meinungen wurden ausgetauscht und persönliche Geschmäcker hinterfragt. Und kaum ist sie da, geht es von vorne los – tausende Podcast-Minuten und Blogger-Worte… Aber jetzt wird gemeckert, gerätselt und verwundert geschaut, wie denn die Jury nur DIESE Liste zusammenstellen konnte. Und warum ist eigentlich Spiel XY nicht berücksichtigt worden?! In der Haut der Jury möchte ich nicht stecken. Denn wie bei jeder Jury ist es eigentlich egal, wie sie sich entscheidet, irgendwer wird sich beschweren oder ein Spiel vermissen. Deshalb möchte ich vorab schon mal den Hut ziehen vor dieser Jury, die so viel Kritik aushalten muss.

Nun wäre ich allerdings ein schlechter Blogger, wenn ich diesen weltweit wichtigsten Spielepreis nicht ebenfalls kommentieren würde – man muss förmlich was dazu sagen. Zunächst mal folgendes: Von der diesjährigen Liste zum Spiel des Jahres bin ich sehr angetan. Alle Spiele, die sich darauf finden, haben es verdient dort zu stehen. Und ich verstehe auch, dass die Jury sich entscheiden muss. Dennoch bin ich überrascht über einige der enthaltenen Titel und enttäuscht über ein paar nicht enthaltene Titel.

Spiel des Jahres LogoZunächst zum roten Pöppel, dem klassischen Spiel des Jahres: Hier bin ich vor allem begeistert, dass sich das mit einem Donnerhall auf der Bildfläche erschienene Magic Maze auf der Liste wiederfindet, das ich sehr schätze und bereits mit den Bretterwissern hinreichend diskutiert und besprochen habe. Ein tolles Spiel, das emotional mitnimmt und das ich immer wieder spielen könnte. Für mich der Kandidat, der den roten Pöppel gerne gewinnen darf.
Schade finde ich, dass sich Cottage Garden und Nmbr9 auf der Liste gar nicht wiederfinden. Beide Spiele schätze ich und ich hätte beiden zumindest eine Empfehlung gewünscht. Cottage Garden, weil es einen Puzzlemechanismus in einem einfachen Spiel und mit einem zielgruppenneutralen Thema verpackt. Nmbr9 lässt sich quasi sofort aus der Schachtel losspielen und man kann schon mit heranwachsenden Kindern knobeln, puzzeln und wetteifern, wer die Zahlen effizienter kombinieren kann.

In der grauen Kategorie (Kennerspiel des Jahres) vermisse ich mein geliebtes First Class – für mich eine verspätete Entdeckung von 2016, die ich sehr in mein Herz geschlossen habe (siehe auch hier). Hieran schätze ich, dass ich als Vielspieler auch mit Gelegenheitsspielern gut spielen kann, viel Variabilität habe und durch die Module immer wieder neue Kombinationen möglich sind. Außerdem funktioniert es in nahezu jeder Besetzung.
Überrascht hat mich die Nominierung von Terraforming Mars. Durch die vielen unterschiedlichen Karten und den notwendigen Drafting Mechanismus zu Beginn des Spiels wirkt es komplexer als es im Kern tatsächlich ist. Diese Entscheidung hat mich überrascht, auch wenn es mich für den zweifach in dieser Kategorie nominierten Schwerkraft Verlag freut und ich Terraforming Mars für ein sehr gutes Spiel mit einem stimmigen Thema halte.
Schließlich noch Räuber der Nordsee. Hier gefällt mir der innovativ neu gedachte Worker Placement Mechanismus, bei dem der Spieler nur einen einzigen Arbeiter im Vorrat hat. Die grafische Gestaltung ist meines Erachtens eine der besten, die ich kenne. Die Bilder der Karten sind so toll und kraftvoll gestaltet, dass meine Kinder stets mit den Karten spielen und Schlachten und Raubzüge nachstellen wollten. Mich hat überrascht, dass das Spiel trotz thematischem Plündern und Brandschatzen – in der Vergangenheit schon mal ein Hinderungsgrund für eine Nominierung – zu einer Nominierung kam. Das Spiel steht für mich spielerisch in einer Linie mit Spielen wie bspw. Stone Age, die leicht relativ gut zugänglich sind und trotzdem vielen Gelegenheitsspielern das Tor zu einer anderen Art von Spielen geöffnet haben.

Die Nominierten zum Spiel des Jahres werden ja auch noch ergänzt durch durch eine Empfehlungsliste, auf denen sich weitere interessante Spiele finden.
Mit Great Western Trail ein aus meiner Sicht absolutes Expertenspiel in der Kennerspiel-Kategorie, mit dem es Alexander Pfister scheinbar fast schon wieder auf die Nominiertenliste geschafft hätte.
Les Poilus, ein im ersten Weltkrieg angesiedeltes kooperatives Spiel findet sich auch auf der Empfehlungsliste. Es hätte eine Nominierung wegen des Themas und der grafischen Umsetzung sowie der spielerischen Herausforderung absolut verdient gehabt.

Kurz zusammengefasst: Ich vermisse zwar ein paar wenige Titel und einige haben mich überrascht, aber insgesamt hat die Jury eine tolle und in Teilen mutige Liste zusammengestellt.

Ein letztes Wort noch zu den nominierten EXIT-Spielen. Diese Nominierung im rahmen der Spiel des Jahres Liste war meines Erachtens zwingend notwendig. Escape-Rooms und Exit-Spiele sind ein großer Trend, der sich in dieser Liste folgerichtig wiederfinden musste. Nicht nur deshalb, weil die Spiele im Trend sind – das alleine wäre sicherlich kein Argument -, aber sie sind auch wirklich eine innovative Bereicherung und können auch absolute Nicht-Spieler erreichen. Und das Argument, dass diese Spiele einmal spielbar seien, das gilt für mich nicht. Denn wie viele tolle Computerspiele sind auch nur einmal sinnvollerweise spielbar?! Hunderte Adventuregames lassen sich im Grunde nur einmal spielen und verlieren dann an Reiz, da man die Rätsel und ihre Lösung kennt. Warum das nicht auch einfach für Brettspiele gelten lassen? Aus meiner Sicht ist diese Einmaligkeit kein Hindernis und kann durchaus auch als Entwicklung in der Branche gesehen werden, die sich ja auch bei vielen Story-getriebenen Konzepten wie zum Beispiel Die Legenden von Andor ebenfalls zeigt. Nach Spielen, die sich (theoretisch) endlos wieder rund wieder spielen lassen, gibt es nun eben auch Spiele, die man im wesentlichen nur einmal spielen kann. Ich sehe darin kein Problem und denke, dass es die Spiele verdient hätten den Pöppel zu bekommen.

Hier findet ihr die Listen der Jury zum Selbststudium… Dort findet man auch noch mal die Begründung für die Nominierung der einzelnen Spiele.

PS: Zu den Kinderspielen kann ich leider nichts sagen, da ich sie selbst – abgesehen von einer schnellen Partie Ice Cool in Essen letztes Jahr – noch nicht gespielt habe…

 

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Januar 5th, 2017 by Dirk

Nach dem Umzug des Blogs Ende November kehrte im Dezember ein wenig Ruhe ein. Es wurde dennoch viel gespielt und auch etwas geschrieben. Unter anderem wurde Guido zum Spiel des Jahres, Arve beehrte die Würfelmagier mit einem Prototyp (wohl nicht das letzte Mal) und die Leaders rangen mit dem iPad um die Weltherrschaft. Außerdem gibt es nun einen RSS-Feed und der eine oder andere Twitter-Kontakt hat sich sehr intensiviert. Verspätete Weihnachtsgeschenke aus „Kohle & Stahl“ erreichten mich in der „Totenstadt“. Und die Weihnachtsfeier verbrachten die Würfelmagier im „Colt Express“.


Es sei schon verraten, dass das Jahr 2017 irgendwie gut angefangen hat. Wie es weitergehen wird, bleibt spannend…

Vielen Dank an die netten Kontakte der vergangenen Wochen. Und jetzt wieder zurück an die Spieltische – fast hätte ich gesagt „Gut Brett“… 🙂

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