Postapokalyptischer Staatsakt – 51st State von Portal Games

Verdammt! Viel zu lange hat die Suche nach dem Steinelieferant gedauert. Und jetzt haben sich ihn die verdammten Mutanten unter den Nagel gerissen. Aber wir New Yorker sind ja nicht auf den Kopf gefallen! Heute Nacht plündern wir das Ding! Dann können sie sehen, wie sie an ihr Baumaterial kommen…

Postapokalyptische Welten. Mutanten und Cyborgs. In dieser Welt ist nichts mehr wie es mal war. Es zählt nur noch das Gesetz des Stärkeren. Und jede der vier Fraktionen strebt nach einem neuen Staat. Ignacy Trzewiczeks 51st State ist der Vorgänger von Imperial Settlers. Nach deren Erfolg wurde die postapokalyptische und dystopische Variante mit einem Master Set neu aufgelegt und gründlich überarbeitet. Zeit sich in die düsteren Niederungen zu begeben.

 

Wie es gespielt wird

Spielertableau und Material von 51st State

Am Anfang… – Spielertableau und Material von 51st State


51st State ist kartengetriebenes Spiel, bei dem die Spieler versuchen durch das Erobern von Orten ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und möglichst viele Siegpunkte zu erlangen. Hat ein Spieler die Marke von 25 Punkten erreicht, ist noch in dieser  Runde Schluss.
Jeder Spieler lenkt bei 51st State die Geschicke einer Fraktion. Um deren Einfluss zu erweitern werden aus der allgemeinen Auslage Karten aufgenommen und in die eigene Auslage integriert. Jede Runde läuft dabei in vier Phasen ab.

In der Kartenphase erhalten alle Spieler die Möglichkeit Karten aus der Auslage zu nehmen.
In der Produktionsphase erhält man alle produzierten Güter der eigenen Orte.
Die Aktionsphase ist die eigentliche Hauptphase jeder Runde. Hier kann man Orte errichten (durch Abgabe von sogenannten Kontaktplättchen in Abhängigkeit der Entfernung des zu errichtenden Ortes) oder umbauen (wodurch man potenziell wertlos gewordene Orte durch Abgabe eines Baustoffes günstig in höherwertige Orte umwandeln kann), einen Deal machen (wodurch man mehr Rohstoffe in der Produktionsphase erhält), Orte der Gegner plündern, Karten- oder Fraktionsaktionen aktivieren oder offene Produktionsstätten der Gegner nutzen. Man hat also viel zu tun, um seine Fraktion im Rennen um die Errichtung des 51st State in eine gute Position zu bringen.

Spielertableau

Gegen Ende hat man schon ein paar Orte erobert


Als letztes erfolgt dann noch die Aufräumphase, in der alles an Rohstoffen abgeräumt wird, was nicht irgendwo eingelagert werden konnte.
Hat ein Spieler die Marke von 25 Punkten erreicht, ist noch in dieser Schluss. Dann werden noch je Ort in der Auslage ein Siegpunkt zum aktuellen Punktestand hinzugezählt und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Das Spiel kommt mit einem Grundset an Karten und bringt zusätzlich gleich zwei weitere Module mit, die man in das Grundset integrieren kann. So kann man die Variabilität deutlich erhöhen. So erklärt sich auch die Bezeichnung Masterset. Kürzlich erschienen ist zudem gerade die Erweiterung Die Sucher, die weitere Karten aber auch neue Spielelemente hinzufügt. Es wird also so schnell nicht langweilig – im 51st State…

 

 

Was uns gefallen hat

Ich mochte Imperial Settlers, thematisch fand ich es jedoch immer eine Spur zu niedlich. Deshalb war ich froh, als die Neuauflage von 51st State angekündigt wurde, war es doch der Vater des erfolgreichen Imperial Settlers und spielte in einer durchaus “erwachseneren” Welt. Und genau das holt mich persönlich deutlich mehr ab. Ich fühle mich an die Welten eines Philip K. Dick erinnert, der mit seinen Science Fiction Romanen und vor allem mit den Kurzgeschichten für die Vorlagen einiger der besten Sci-Fi-Filme aller Zeiten (bspw. Blade Runner, Total Recall und viele mehr) verantwortlich zeichnet.

Das Gameplay von 51st State ist eingängig und schnell erklärt. Mir gefällt auch, dass 51st State (gefühlt) wesentlich mehr Take-that-Elemente beinhaltet als Imperial Settlers. Das muss es auch, denn in der postapokalyptischen Welt wird schließlich nicht lange gefackelt, wenn man bestimmte Rohstoffe benötigt.

Die Anleitung ist klar und eindeutig geschrieben und hat mich sogar gut unterhalten. Mit einem Augenzwinkern wird beispielsweise darauf verwiesen, dass doch tatsächlich der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt. Zwischendrin fallen dann für eine Anleitung eines Brettspiels recht derbe Ausdrücke, die dem ein oder anderen vielleicht aufstoßen. Aber auch hier unterstützt das für mich die Atmosphäre des Spiels.

Die grafische Gestaltung erinnert an einen postapokalyptischen Comic á la DMZ und tut auch hier ihr übriges den Spieler in die postapokalyptische Welt zu ziehen. Für die grafische Gestaltung gibt es von mir ein Fleiß-Bienchen!

Fraktion der Mutanten bei 51st State

Fraktion der Mutanten

Die Materialqualität der Stanzteile ist sehr gut. Herausstellen möchte ich aber die Qualität der individuell gefertigten Meeple. Zahnräder und Benzinkanister – ich gebe zu, ich hatte meine Bedenken, ob die so gut gelingen können – sind von außerordentlicher Qualität. In meinem Set war nicht ein einziges schlecht gefertigtes Holzteil dabei. Nirgends war etwas abgebrochen, die Farbe war gleichmäßig verteilt – Brettspieler-Herz, was willst du mehr? 😉

Gut gefallen haben uns die unterschiedlichen Fraktionen, die sich auch tatsächlich unterschiedlich spielen und auch unterschiedlich gespielt werden wollen. Dazu noch die verschiedenen Kartendecks, die das Grundset ergänzen. Das erhöht die Variabilität und den Wiederspielreiz.

Und, heutzutage schon eher Pflicht denn Kür, einen Solo-Modus gibt es natürlich auch. Dieser simuliert einen virtuellen Gegner, der einem permanent in die Kandare fährt. Gut gemacht, aber am Ende auch hier “nur” eine Highscore-Jagd. Trotzdem aus meiner Sicht eine gute Umsetzung.

 

Was uns nicht gefallen hat

Des einen Freud ist des anderen Leid. Und so mag nicht jeder die Welt von 51st State – sei es die grafische Gestaltung oder die Sprache der Anleitung. Ich hatte damit kein Problem, der ein oder andere mag sich an der grundsätzlich gewaltbereit anmutenden Ausgestaltung jedoch stören.

Die Appalachische Föderation bei 51st State

Die Appalachische Föderation

Die Unterschiede zu Imperial Settlers sind mir zunächst kaum aufgefallen. Bis auf einen. Und den fand ich in der Tat schade. Die einzelnen Fraktionen haben hier kein eigenes Deck. Gerade das fand ich bei Imperial Settlers toll und es hätte auch bei 51st State funktionieren können, da auch hier unterschiedliche spezifische Kartendecks Sinn machen würden. Zudem erscheint mir 51st State sehr viel angriffslustiger. Vor allem das Plündern ist hier deutlich interessanter, als das Zerstören bei Imperial Settlers. Von Zeit zu Zeit ist man gezwungen den Gegner anzugreifen, damit er entweder nicht noch mächtiger wird oder man selbst einfach ein paar Rohstoffe abgreift, die man grade braucht.

Vor dem ersten Spiel ist es etwas schwierig einzuschätzen, wie sich die Fraktionen spielen, da alle etwas unterschiedlich ausgerichtet sind. Das muss man tatsächlich erfahren. Aber auch hier gilt: Nicht jeder will oder mag Asymmetrie in Brettspielen. Ich persönlich mag es, wenn man unterschiedliche Fraktionen auch unterschiedlich spielen muss.

 

Fazit

Ich mag 51st State persönlich lieber als Imperial Settlers, auch wenn letzteres eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Prinzips darstellt und durch die Fraktionsdecks sicherlich noch besser auf die Unterschiede der Fraktionen eingeht. Aber die Mad-Max-artige Welt gefällt mir so gut, dass mich das Spiel einfach in seinen Bann gezogen hat. Zudem sorgt das Fehlen der Fraktionsdecks für ein wenig mehr “Übersichtlichkeit”, da man schnell alle Karten kennt und so auch die anderen Fraktionen schneller kennenlernt. Apropos Fraktionen…ich würde mir wünschen, dass bald eine Erweiterung mit neuen Fraktionen erscheint. Die Welt von 51st State bietet noch so viel Potenzial neue Fraktionen zu entdecken und es würde mich doch arg wundern, wenn Ignazy da nicht noch ein paar Ideen hätte…

Erhältlich ist das Spiel im gut sortierten Fachhandel oder direkt im Webshop von Portal Games Deutschland.
Vielen Dank an Portal Games für die Bereitstellung des Rezesinonsexemplars.

Juli 12th, 2017 by