Ein Vierteljahrhundert spielend aktiv – Interview mit Michael Schacht

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Spieleautor Michael Schacht lebt in Frankfurt/Main

Spieleautor Michael Schacht lebt in Frankfurt/Main

Zooloretto kennen sicherlich fast alle – im Zweifel zumindest vom Aussehen der Verpackung her. Nicht nur, weil es Spiel des Jahres war, sondern auch, weil der Panda auf der Schachtel so niedlich um Aufmerksamkeit buhlt. Aber die Liste der Veröffentlichungen von Michael Schacht ist lang…sehr lang. Kein Wunder, ist er doch mittlerweile ein Vierteljahrhundert als Spieleautor aktiv. Seine Titel sind dabei bei unterschiedlichsten Verlagen erschienen. Nahezu jeder deutsche Verlag dürfte mittlerweile ein Spiel von ihm veröffentlicht haben. Mit seinem neuesten Werk ist er nun das erste mal auf Kickstarter vertreten. Der Verlag Thundergryph Games hat sich entschieden, das Spiel über den Schwarm finanzieren zu lassen. Das hat Vorteile. So gibt es von Spirits of the Forest auch eine Deluxe Version mit Holz- statt Pappteilen, die es unter normalen Umständen wohl kaum im Handel geben würde. Ein paar Details habe ich bereits hier zusammengetragen. Mit Michael spreche ich über seinen Werdegang als Autor und seine Sicht auf die aktuellen Entwicklungen. Natürlich aber auch über sein neuestes Werk und wie es sich für anfühlt, so direkt zu sehen, wie sich ein Spieleprojekt auf Kickstarter entwickelt.


Michael, du bist als Spieleautor schon lange und sehr erfolgreich unterwegs. Zooloretto hat 2007 den Spiel des Jahres Preis bekommen und die Liste deiner Veröffentlichungen auf Boardgamegeek ist über 200 Einträge lang (inkl. Promos etc.). Wie bist du denn zum Spieleautor geworden und wie lange machst du das mittlerweile?

Zooloretto Spiel des Jahres 2007

Zooloretto war Spiel des Jahres 2007

Es ist nicht lange her, da habe ich mein 25-jähriges Jubiläum gefeiert.
Zum Spielerfinden bin ich eher zufällig gekommen. Zu der Zeit war ich an vielen Dingen interessiert, vor allem an den ersten Spielen für den Heimcomputer und ganz besonders am Programmieren dieser.
Irgendwann bin ich dann spontan auf die Idee gekommen, es auch mal mit einem analogen Spiel zu probieren. Es entstanden zwei Ideen und als eine Bekannte mir von einem Nachwuchswettbewerb erzählte, habe ich mit dem aus meiner damaligen Sicht besseren Spiel (Taxi) mitgemacht. Es hat nicht gewonnen, aber daraus ergab sich meine erste Brettspiel-Veröffentlichung als Spiel im Heft, in der Spielerei. Zwei Jahre später habe ich dann das andere Spiel (Charts) beim Wettbewerb eingesendet. Es kam in die Endrunde und wurde mein erstes großes veröffentlichtes Spiel.
Von da an habe ich regelmäßig versucht, interessante Spielideen zu entwickeln.

Nun gibt es ja in Deutschland nur ganz wenige Spieleautoren, die wirklich Vollzeit-Spieleautoren sind. Reicht die Autorentätigkeit bei dir, um über die Runden zu kommen, oder hast du noch einen Zweitjob neben dem des Spieleautors?

Früher habe ich hauptberufleich in der Werbewirtschaft gearbeitet. Irgendwann musste ich mich dann entscheiden und das geschah zu Gunsten der Spiele. Ein paar Jahre habe ich dann nebenher noch Spieleillustrationen gemacht, doch seit mehr als 10 Jahren arbeite ich ausschließlich als Autor.
Die meisten haben tatsächlich völlig falsche Vorstellungen von den Verdienstmöglichkeiten eines Spieleautors. Ich komme aber bisher gut über die Runden – ab und an ein richtig erfolgreiches Spiel hilft die Kasse wieder etwas aufzufüllen.

Da du ja nun schon lange in der Branche aktiv bist, wie siehst du denn die Entwicklung der letzten Jahre? Was hat sich geändert? Was wurde besser, was schlechter?

Für die Spieler hat es sich super entwickelt, mit so einem großen Angebot an guten, innovativen und herausfordernden Spielen.
Die Qualität der Umsetzung (jetzt mal die Spielregeln ausgenommen) ist mittlerweile auf einem verdammt hohen Level.
Das hilft dem Brettspiel, sein etwas antiquiertes Image aufzubessern, und es kann sich so besser gegenüber den ebenso stark gewachsenen Freizeit-Alternativen behaupten.
Als Autor sehe ich es etwas differenzierter. Super ist die erhöhte Möglichkeit, Spiele zu veröffentlichen. Allerdings sind die Auflagenhöhen der einzelnen Titel zu stark geschrumpft. Die Fragmetierung lässt gute Spiele zumeist unbemerkt verschwinden. Auch in unserer Branche gibt es daher den Trend, dass die Großen andere einfach wegdrücken. Langfristig könnte es Probleme geben.

Du bist nun meines Wissens zum ersten Mal auf Kickstarter als Autor aktiv. Was ist das für ein Gefühl, direkt zu sehen, wie sein „Baby“ von der Community angenommen wird?

Das ist tatsächlich das erste Kickstarter-Spiel von mir mit einer richtig tollen Kampagne. Natürlich verfolge ich jeden Tag das Geschehen und bin gespannt, welche Extra-Ideen von mir umgesetzt werden. Das Feedback ist bisher toll – das hatte ich nicht ganz so erwartet. Auf der anderen Seite hat das Spiel eine unglaublich schöne Grafik. Die kommt auch bei den Leuten durchweg sehr gut an.

Kommen wir doch mal zu deinem aktuellen Spiel Spirits of the Forest. Das Spiel ist eine Neuauflage oder Überarbeitung eines bestehenden Spielkonzepts von dir. Was hat sich denn gegenüber Richelieu bzw. dem Kardinal & König Kartenspiel geändert und warum?

Es gibt einige Änderungen. Vom Zwei-Spieler-Richelieu geht es nun zurück zum Multiplayer, wie es auch ursprünglich – mehr oder weniger – beim Kardinal & König Kartenspiel war. Außerdem gibt es ein Solospiel. Bei der Enwicklung dessen war ich mir erstmal nicht so sicher, war dann aber sehr überrascht, wie stark es geworden ist. Es gibt viele, kleine, nette Ideen, von denen bereits nach aktuellem Stand einige umgesetzt werden können.

Übersicht Spirits of the Forest von Michael Schacht bei Thundergryph GamesThundergryph, der Verleger von Spirits of the Forest, ist in Deutschland nicht der bekannteste Verlag. Wird das Spiel dann auch im örtlichen Handel zu erwerben sein oder gibt es eine Vertriebspartnerschaft mit einem deutschen Verlag?

Da habe ich wenige Informationen. Eine italienische Distribution ist wohl mit im Boot.

Wenn du kurz beschreiben müsstest, für wen sich das Spiel eignet, wie würdest du die Zielgruppe von Spirits of the Forest umschreiben?

Das Spiel kommt nicht nur bei Männern gut an 🙂

Du warst ja in den letzten Jahren auch weiterhin sehr produktiv. Allein 2017 waren es lt. Boardgamegeek neun Veröffentlichungen (ohne Promos). Kannst du uns schon verraten, was in 2018 von Michael Schacht zu erwarten ist?

Zum Glück wird es wieder ein paar neue Sachen geben. Mein großes Spiel für Nürnberg heißt Pizza Monsters, ist für Kinder und erscheint bei Abacus Spiele. Nach Maharaja und Blindes Huhn extrem von 2017 ist es ein weiteres Spiel, das nun auch unter dem Timbu-Logo erscheint.

Nun noch ein paar abschließende Fragen zu deinem eigenen Spielegeschmack. Was sind deine drei Lieblingsspiele, die NICHT von dir sind?

Das wechselt bei mir und ist zudem verschieden, je nach Kategorie.
Schon immer mag ich z. B. Cartagena, weil man es mit jedermann spielen kann und es dann auch allen Spaß macht.
Zu zweit hat sich z. B. Burgen von Burgund bei uns zu Hause lange gehalten, wir spielen es immer noch gern.
Dominion habe ich als Autor immer sehr bewundert.
Bei den komplexeren Spielen mag ich auch einges, z. B. Brass.
Bei aktuell und einfach fand ich Memoarrr! interessant.
Von der Messe haben wir uns gleich Azul mit genommen (als einziges) und haben es bisher nicht bereut.

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Gibt es schon Spiele, auf die du dich 2018 freust?

Da geht es mir nicht anders, wie allen anderen. Früher habe ich versucht alle wichtigen Titel zu spielen. Das ist nicht mehr zu schaffen. Daher lasse ich mich einfach überraschen.

Und zu guter Letzt: Welches deiner eigenen Spiele würdest du meinen Lesern ans Herz legen, z.B. weil du der Meinung bist, dass es in der Berichterstattung untergegangen ist?

Haha, das ewige Leid des Autoren!
Mogul ist so ein Titel, – damals im Eigenverlag –, mit einem irre einfachen aber faszinierenden Mechanismus, der vielfach aufgegriffen wurde, aktuell von mir selbst in Smile. Ist aber bisher nur in den USA erhältlich.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Vielen Dank für das Interesse an meinen Spielen!


Hier noch mal das fast meditative Video zum aktuellen Spiel von Michael Schacht – aktuell auf Kickstarter

Januar 19th, 2018 by