Category: Rezensionen

Geek-behör-Haufn
September 15th, 2017 by Dirk

Wir alle lieben unsere Spiele und finden sie auf ihre eigene Weise faszinierend. Entweder, weil wir uns immer wieder in fremde Welten flüchten können oder weil wir einfach einen Riesenspaß dran haben möglichst viele verschiedene zu besitzen und zu spielen. Wie auch immer, viele der Brettspielbegeisterten kaufen Spiele nicht einfach nur, sondern legen – manchmal leider zwangsweise – selbst Hand an, um ihre Spielerfahrung zu verbessern. Und genau hierüber werde ich in einer dreiteiligen Reihe berichten. Dabei befasse ich mich mit den unterschiedlichen Aspekten der Brettspieloptimierung vor, während und nach dem Spiel. Den großen Teil des Bemalens von Miniaturen, der ja durchaus auch dazu zählt, habe ich dabei ausgeklammert, da es ein zu weitläufiges Feld ist und vielleicht mal ein eigenständiges Thema wird.

Kleine Sortierboxen

Sortierboxen – kann man ohne leben?

Der erste und umfangreichste Teil Auspöppeln, ordnen und sortieren…und Regeln lesen beschäftigt sich damit, wie man Ordnung in seine Spiele bringen kann. Damit meine ich nicht die Sortierung im Regal (nach Name, Verlag oder Spieltyp – wie macht ihr das eigentlich?!), sondern vielmehr die Verbesserung der Ordnung in der Schachtel selber. Aber auch die Vorbereitung auf das erste Spiel zählt hierzu.

Im zweiten Teil Das Spiel beginnt… geht es um alles während des Spiels. Denn auch hier kann man die Erfahrung verbessern und die Atomosphäre näher an das eigentliche Thema des Spiels rücken. Und es gibt einige Must-haves, die wirklich jeder Vielspieler nutzen sollte.

Der dritte Teil Nach dem Spiel ist vor dem Spiel beschäftigt sich damit, die Spielerfahrung festzuhalten oder sich (besser?!) auf künftige Partien vorzubereiten.

Würfelturm

Ab in den Würfelturm…

Sicherlich werden euch einige der Tools und Tipps bekannt sein, aber vielleicht findet ihr ja auch die ein oder andere neue Information, die euch künftig hilft, die Spielerfahrung zu verbessern.

Ich werde die Artikel mit möglichst vielen Informationen, Links und Bildern spicken und werde vielleicht auch noch das ein oder andere Video hinzufügen (da bin ich mir aber noch nicht sicher…). Zumindest wird es sicherlich der aufwändigste Teil des Blogs bisher, da ich viele verschiedene Dinge anschauen musste und kommentiere. Ich hoffe, dass sich der Aufwand lohnt und ich möglichst vielen vielleicht noch etwas Neues zeigen konnte…

Und wer noch bessere oder einfach noch ganz andere Ideen und Tipps haben sollte, der packt das entweder hier, auf Facebook, Twitter oder Instagram in die Kommentare…

Im Vorfeld möchte ich mich schon mal bei allen Firmen und Verlagen bedanken, die mich hierbei durch Muster, Informationen oder Promo-Codes unterstützt haben. Vielen Dank dafür!

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September 14th, 2017 by Dirk

Istanbul ist ein tolles Wettrennen um Rubine auf einem großen Markt. Durch die zwei Erweiterungen wird es zum echten Expertenspiel und bietet jede Menge Varianz, Modularität und Wiederspielreiz. Meine Gedanken zum Spiel findet ihr hier.

Packshot Istanbul - Das Würfelspiel von Pegasus SpieleNun hat Pegasus über die Facebook Seite bekannt gegeben, dass es mit Istanbul weitergeht. Und natürlich kommt die unvermeidbare Würfelvariante des Kennerspiels von 2014. Diese wurde ebenfalls von Rüdiger Dorn entworfen und soll im Familienspiel-Bereich angesiedelt sein. Ab acht Jahren soll man in Istanbul – Das Würfelspiel schon loswürfeln können. Das Ganze soll in 20-40 Minuten vorbei sein.

Ich freue mich immer über Würfelvarianten – wer hätte es gedacht?! -, auch wenn ich deren Sinn manchmal hinterfrage. Hier bin ich auf jeden Fall gespannt, was Istanbul – Das Würfelspiel als Variante des großen Spiels genau mit sich bringt und ob es sich als Reisevariante eignen wird, da das große Istanbul sich eher nicht zum Spiel an der Strandbar eignet.

Das Spiel soll zur Spiel’17 in Essen erscheinen, ein Preis ist bisher nicht bekannt gemacht worden

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September 12th, 2017 by Dirk

Schon vor längerem eine Meldung hier im Blog, nun endlich da. Eine kleine handliche Schachtel wechselt den Besitzer. Darin befinden sich neue Teile für Quadropolis – sogenannte Öffentliche Gebäude. Diese erweitern das vorhandene Spektrum der Gebäudetypen ohne das Spiel wesentlich zu verändern.

Eine süße kleine Schachtel...Quadropolis Erweiterung von Days of WOnder

Kleine Schachtel mit Öffentlichen Gebäuden

Was bietet diese kleine Erweiterung nun konkret? Insgesamt erhält man 24 neue Gebäudeplättchen sowie ein paar Spielübersichten – und, logisch irgendwie, ein kleines Regelheft. Die Erweiterung fügt sich dabei nahtlos in das Spiel ein. Das Spiel wird analog zum Grundspiel aufgebaut. Die neuen Gebäudeplättchen werden gemischt, vier davon aufgedeckt und der Rest als verdeckter Stapel neben dem Plan bereitgelegt – natürlich nicht genau daneben, denn da müssen ja die Arbeiterplättchen platziert werden. Beginnt eine neue Runde, werden die restlichen noch ausliegenden Öffentlichen Gebäude abgeräumt und vier neue ausgelegt. Wie man an die neuen öffentlichen Gebäude kommt? Ganz einfach: Immer dann, wenn man am Zug ist und ein Bürgeramt nimmt, kann man entscheiden, ob man dieses ganz normal baut oder stattdessen eines der vier ausliegenden neuen öffentlichen Gebäude bauen möchte. Und das war es schon…klingt einfach und nicht sehr spannend. Aber die neuen Gebäude haben es – vor allem im Vergleich zum eher punktearmen Bürgeramt – in sich. So liefert die Feuerwache beispielsweise 2 Punkte je benachbarter Fabrik, die Schule liefert einen Punkt für jedes Hochhaus (egal welcher Höhe) und das Grünflächenamt liefert einen Punkt je Park in der eigenen Stadt.

Gebäudeplättchen der Quadropolis Erweiterung von Days of Wonder

Einige der öffentlichen Gebäude der Quadropolis Erweiterung

Quadropolis wir nicht anders, sondern bietet mit der Erweiterung nur vielfältigere Möglichkeiten Punkte zu erlangen. Darüber hinaus bekommt das Spiel eine höhere Variabilität, da man einfach noch mal mehr Wahlmöglichkeiten bei den Gebäuden hat. Plättchen für das Expertenspiel sind natürlich auch dabei. Diese unterscheiden sich nur wenig von denen der Classic-Variante und und fordern in der Regel einen höheren Einsatz, beispielsweise zwei statt eines Energiemarkers. Insgesamt also eine eher kleine Erweiterung mit gewohnt hochwertigem Material für alle Fans des Spiels. Schade, dass der tolle Schachteleinsatz nicht auch schon für diese Erweiterung geplant wurde, so landen die neuen Teile einfach irgendwo in der Kiste – bei mir unter dem Wertungsblock, bei den tollen blauen Acryl-Meeple. Ich schätze Quadropolis aufgrund seiner Einfachheit und Schnörkellosigkeit und freue mich, dass die Erweiterung dies nicht zerstört oder das Spiel unnötig erweitert.

Insgesamt bekommt man hier viel “more of the same” und nur wenig “something different” präsentiert. Für alle Fans des Spiels sicherlich eine gute Anschaffung, steigert es doch die Varianz des Spiels. Alle, die das Spiel eher nicht mögen oder zu beliebig und durchschnittlich finden, werden ihre Meinung auch mit Erweiterung nicht ändern. Wie bei allen “more of the same”- Erweiterungen gilt auch hier: Wer das Basisspiel viel und oft spielt, sollte sie sich holen, alle anderen können getrost am Stadtrand weiterchillen.

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September 8th, 2017 by Dirk

“Wer will das überhaupt sehen?”
“Was haben wir getan?”

Fragen wie diese stellt man sich als selbstreflektierender Mensch, wenn man sich das erste selbstgedrehte Video ansieht.

“Und das sollen sich dann andere ansehen und sich davon unterhalten fühlen…?!”

Außerdem merkt man, wie verdammt viel Arbeit es ist sich so etwas auszudenken, zu filmen und dann auch noch zu schneiden (letzteres hat der Leif zum Glück größtenteils übernommen, ersteres haben wir schlichtweg einfach ignoriert).

Zusammen mit dem Leif von Leif & in Farbe habe ich mir nämlich Massive Darkness angesehen (…mit massiv vielen massiv unbemalten Miniaturen) und dann auch noch meinen Senf dazu gegeben. Dummerweise standen gaaaanz zufällig ein oder zwei Kameras rum und haben das dann auch noch aufgenommen. Und wenn das Filmmaterial schon mal da ist…

Ach so, und falls ihr das Gefühl habt, dass das alles etwas planlos ist…dann habt ihr absolut Recht! Denn wir haben uns ganz unvoreingenommen und ohne Plan hingesetzt und losgequatscht.

Beim nächsten Mal wird es wohl besser…oder noch schlimmer…zumindest mit Konzept…wahrscheinlich.

Und damit ihr auch ja dranbleibt gibt es am Ende auch noch Outtakes…und vielleicht unterhält es euch ja doch ein wenig. Und über Abos freuen sich sowohl Leif (der hat schon ein paar) als auch ich (habe nur eins…Danke, Herr Wagner 🙂 ). Bei mir im Kanal werden aber noch ein paar Sachen hinzukommen…bald…lasst euch überraschen und unterhalten…von Massive Darkness und unserer Pilotfolge (nur deshalb die Null, das hat nichts mit dem Unterhaltungswert zu tun…)

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Game of Thrones - Hand des Königs
August 16th, 2017 by Dirk

Game of Thrones ist eines der Themen, die im Moment gerne für Spiele gewählt werden – neben Wikingern und Zombies…und Zombie-Wikingern natürlich. So wurde beispielsweise gerade auch eine Catan Variante mit Game of Thrones Thema angekündigt.

Bei Game of Thrones – Hand des Königs handelt es sich um ein kleines Spiel für 2-4 Spieler, bei dem die Spieler um die Gunst der Häuser von Westeros buhlen, um sich in eine gute Position zu bringen und so zur Hand des Königs zu werden. Und wie in der Serie, die mal ein Buch war, bemächtigen wir uns dazu Varys, dem allgegenwärtigen und stets gutinformierten Flüsterer der Mächtigen. Bruno Cathala, mit Kingdomino gerade als Autor eines Spiel des Jahres geadelt, ist auch Autor dieses Spiels.

Wie es gespielt wird

Materialübersicht Game of Thrones - Die Hand des Königs

Die Materialien kommen gut geschützt und bereits in Druckverschlussbeuteln vorsortiert

Man könnte fast glauben, dass es sich um eine Memo-Variante handelt, wenn man den Spielbereich vorbereitet hat. Ist es aber nicht. Zunächst breitet man also die 35 Charakterkarten sowie die Varys-Karte in einem zufälligen 6×6 Felder umfassenden Raster auf dem Tisch aus. Neben dem Raster werden die Helferkarten und die Banner der Häuser bereitgelegt. Die Auslage stellt Königsmund mit seinen unterschiedlichen Häusern und Charakteren dar. Von den Helferkarten werden sechs Stück aufgedeckt. Die restlichen Helferkarten werden nicht benötigt.

Das Spiel ist eigentlich ganz einfach: Der aktive Spieler bewegt Varys orthogonal über das Feld nachdem er angekündigt hat, welchen Charakter er für sich gewinnen möchte. Anschließend wandert die Varys-Karte anstatt der Charakter-Karte in die entsprechende Position im Spielbereich und der Spieler legt die erhaltene Karte vor sich ab. Zusätzlich erhält er alle auf dem Weg dorthin überschrittenen Karten des Hauses des so gewonnenen Charakters. Hat er nun die meisten Karten eines Hauses, erhält er den entsprechenden Banner.

Spielbereich von Game of Thrones - Die Hand des Königs

Ende Gelände – Das Spiel endet, wenn Varys sich nicht mehr zu einer Person bewegen kann

Die Helferkarten sind das Salz in der Suppe. Man erhält sie, wenn man die letzte Karte eines Hauses aus dem Spielbereich nimmt – will man also möglichst oft tun. Eine der sechs offen ausliegenden Karten darf man sich nun aussuchen und sofort einsetzen. So kann man Mehrheiten verschieben oder auch eigene Mehrheiten ausbauen. Dabei sind die Helferkarten thematisch sehr schön an Game of Thrones angelehnt. Es wird gemeuchelt und verstohlen gestohlen und mancher Charakter ist so wertvoll, dass er einfach mal als zwei Starks zählt und nicht sterben kann – wer mag das wohl sein?

Das Spiel endet, wenn Varys sich nicht mehr bewegen kann. Es gewinnt der Spieler mit den meisten Bannern und er wird die Hand des Königs.

Krähenmarker für Dre- und Vierspielervariante von Game of Thrones - Die Hand des Königs

Die Krähenmarker kommen in der Variante für drei und vier Spieler zum Einsatz

Spielt man zu dritt oder zu viert, kommen zusätzlich die Krähenmarker ins Spiel. Legt man diesen ab (jeder erhält nur einen), kann man sich mit einem Gegner bzw. Team-Kollegen abstimmen. Im Spiel zu dritt spielt man dabei gegeneinander. Im Spiel zu viert bildet man zwei Teams, in denen die einzelnen Spieler zwar autark agieren, die Wertung jedoch dann gemeinsam je Team erfolgt. Hier gilt es Absprachen und Vereinbarungen zu treffen. Dafür hat man nach Abgabe eines Markers genau eine Minute Zeit und muss dazu (logischerweise) den Raum verlassen.

Lob & Kritik

Game of Thrones zieht als Thema natürlich erstmal. Und die die Grafik des Spiels ist meines Erachtens aus künstlerischen Aspekten heraus grandios umgesetzt. Hier hat sich jemand wirklich Mühe gegeben – Mihajlo Dimitrievski war es übrigens. Schließlich hätte man auch einfach fotorealistische Zeichnungen der Seriencharaktere anfertigen können. Aber der sehr eigenständige Comicstil, der sich auch nicht immer an das Aussehen der Serienschauspieler anlehnt, passt sehr gut zu diesem kleinen Spiel. Die Helferkarten greifen das Thema ebenfalls inhaltlich sehr gut auf. So sorgt der Helfer Hodor beispielsweise dafür, dass man die Karte von Bran Stark erhält. Das unterstützt das Thema des Spiels.

Auf der Habenseite steht zudem, dass es eigentlich in zwei Minuten erklärt ist und der Mechanismus schnell verstanden wird. Hier dürfte es bei den meisten Menschen keine Probleme geben. Zudem ist es sehr handlich und eignet sich auch sehr gut, um es in den Urlaub mitzunehmen oder um auf einer Kurzreise als lockere Unterhaltung zu dienen.

Banner von Game of Thrones - Die Hand des Königs

Die Banner sind aus dicker Pappe und schön illustriert

Die Helferkarten sind aus meiner Sicht leider etwas klein geraten und da keine Symbole, sondern ausschließlich Text zur Beschreibung des Effekts enthalten sind, muss man zunächst erst mal die sechs Karten lesen. Das gibt sich aber nach ein paar Partien und da die Karten ohnehin thematisch passgenau sind, sollte man nach zwei oder drei Partien in etwa wissen, was welche Karte tut.

Man hätte natürlich auch nahezu jedes andere Thema über den Mechanismus stülpen können, geht es doch nur um das Gewinnen von Mehrheiten. Einzig die Helferkarten vereinen hier Mechanismus und Thema.

Die Drei- bzw. Vier-Spieler-Variante ist sicherlich nicht jedermanns Sache und geheime Absprachen und Intrigen passen meiner Meinung nach nicht so gut zu dem kleinen und schnellen Grundmechanismus des Spiels. Es ist ein nettes Add-On und das Spiel wird dadurch auch etwas anders. Zu zweit funktioniert es meines Erachtens am besten und entfaltet die volle Duell-Wirkung von zwei Personen, die Hand des Königs werden wollen.

Und schön wäre es eigentlich auch gewesen, wenn man eine Varys-Figur statt der Varys-Karte gehabt hätte. Das hätte die Kosten mutmaßlich zu weit nach oben getrieben. Wäre aber schön gewesen…

Fazit

Game of Thrones – Die Hand des Königs zählt für mich zu den kleinen feinen Spielen, die man auch mal schnell in der Mittagspause auf einem kleineren (aber nicht zu kleinen) Tisch ausbreiten kann. Zwar auch zu dritt oder zu viert möglich, merkt man irgendwie jedoch, dass es eher als 2-Personen-Spiel entwickelt wurde. Für Game of Thrones Fans schon alleine wegen der Gestaltung ein Muss. Für alle, die ein kleines transportables 2-Personen-Spiel mit toller Grafik suchen durchaus einen Blick wert.

 

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August 8th, 2017 by Dirk

“Sie sind mir auf den Fersen! Ich muss mich beeilen! Noch diesen Dschungelstreifen, einmal über den Fluss und dann bin ich da…” Doch plötzlich erscheint kurz vor dem Fluss ein anderer Forscher, der mir den Ruhm streitig machen will. Endspurt ist angesagt! Nun kommt es darauf an, die richtige Unterstützung zur Hand zu haben…

Ich muss zugeben, dass ich zunächst dachte: Oh…ein Wettlauf-Spiel – wie langweilig. Aber bei genauerer Beschäftigung mit dem Spiel und dem Mechanismus zeigte sich – mal wieder -, dass man ein Buch nicht nur nach dem Umschlag beurteilen sollte. Nicht umsonst befand sich Wettlauf nach El Dorado auch im Wettlauf um die Krone zum Spiel des Jahres, auch wenn es hier leider ins Hintertreffen geraten ist und den Thron einem anderen Spiel überlassen musste. Ob es dennoch überzeugen kann?

 

Wie es gespielt wird

Wettlauf nach El Dorado – ich nenne es ab hier einfach nur noch El Dorado – ist ein sogenanntes Deckbuilding Spiel. Bei dieser Art von Spiel versucht man das eigene Deck an Karten so weit zu optimieren, dass man möglichst schnell vorankommt und nicht zu viel Ballast mit sich herumträgt. Bei El Dorado ist dieser Mechanismus durch Reiner Knizia bis auf den absoluten Kern reduziert worden. Jeglicher Speck wurde weggeschmolzen.

Um loszurennen, wird zunächst die “Rennstrecke” aufgebaut und mit ein paar Blockaden gespickt. So hat jeder Spieler zunächst einen Eindruck, welche Fähigkeiten er benötigt, um als erster El Dorado zu erreichen. Jeder Spieler erhält ein Set aus acht Basis-Karten von denen er zunächst vier auf die Hand bekommt. Auf dem Tisch befindet sich zudem eine Marktauslage, mittels derer man im Spielverlauf die eigene Kartenhand verbessern kann. Und natürlich werden die Forscher noch auf dem Plan platziert.

In seinem Spielzug kann der Spieler nun so viele Handkarten wie er möchte ausspielen. Diese ermöglichen ihm entweder eine Bewegung auf dem Spielplan oder den Kauf einer neuen Karte vom Markt. Einige Karten ermöglichen auch Sonderaktionen, wie beispielsweise Karten vom persönlichen Nachziehstapel zu nehmen und andere Handkarten ganz zu entsorgen (auf diese Weise hält man sein Kartendeck schlank).

Wirkt die Auslage der Marktkarten zunächst erschlagend, so zeigt sich nach kurzer Beschäftigung damit, dass es im wesentlichen alles recht ähnliche Kartentypen sind. Sie unterscheiden sich in kleineren Details, die die Spieler schnell erfassen können. Die Marktauslage hat dabei in sich einen eigenen Mechanismus. So sind zunächst nur sechs Kartentypen verfügbar. Erst wenn einer dieser sechs Kartentypen ausverkauft ist, kann der einkaufende Spieler aus den anderen bisher noch nicht verfügbaren Karten auswählen. Dieser “Kartenstapel” (jeder besteht nur aus drei Karten) wandert dann in die Marktauslage und schließt die entstandene Lücke.

Erreicht ein Spieler in einer Runde El Dorado, wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt. Sollte dabei ein weiterer Spieler El Dorado erreichen, gewinnt der Spieler, der mehr Blockaden aus dem Weg geräumt hat.

 

Was uns gefallen hat

Deckbuilding für Familien in einem Wettlauf Spiel. Ersteres liebe ich, letzteres…na ja…gab es schon so oft. Aber ich muss sagen, dass Reiner Knizia es wirklich geschafft hat, beide Mechanismen gut zu verbinden. Gerade den Deckbuilding-Teil hat er familientauglich auf seinen innersten Kern reduziert. Und der Wettlauf-Aspekt tritt vor allem gegen Ende des Spiels zu Tage, wenn es darum geht alles rauszuholen aus seinem Forscher und mit einem letzten Sprung über den Wassergraben El Dorado zu erreichen.

Auch zu zweit funktioniert es recht gut. Und durch die Reduktion des Mechanismus ist es auch wirklich schon mit neunjährigen Kindern zu spielen – entsprechende Sozialisation vielleicht vorausgesetzt.

Das Spiel geht flott von der Hand, die Wartezeiten sind gering und es ist schnell zu lernen. Die doppelseitigen Kartenteile lassen sich zu unterschiedlichen Strecken zusammensetzen. So lassen sich Schwierigkeit und Länge des Spiels beeinflussen. Die Variabilität ist also hoch genug für zahlreiche Partien auf dem Weg ins El Dorado. Die unterschiedlichen Strecken spielen sich in der Tat auch sehr unterschiedlich und bedingen andere Schwerpunkte beim Zusammenstellen des Kartendecks. Dazu kommen unterschiedliche Schwierigkeitsstufen bei den Strecken, so dass auch Vielspieler durchaus ihren Spaß daran haben können.

 

Was uns nicht gefallen hat

Rennspiele bei denen man über Landschaftsfelder hechtet erscheinen heutzutage etwas altbacken. Und so verliert El Dorado für mich nach ein paar Partien ein wenig den Spielspaß, der bei Vielspielern bei diesem Spiel ohnehin nicht unendlich hoch sein dürfte. Thematisch mag das Forscher-Thema mich vielleicht nicht überzeugen, Familien oder Gelegenheitsspieler dürfte es jedoch gefallen. Im Kern ist und bleibt es ein Wettrennen und der Glücksfaktor beim Kartenzehn kann einem auch schon mal in die Parade fahren, was bei vielen (allen?) Deckbauspielen ein Manko ist.

Ein weiteres Manko aus meiner Sicht ist die relativ starre Auslage im Markt. Hier landen stets die selben sechs Karten zum Start in der Marktauslage. Hier hätte ich mir mehr Variabilität gewünscht.

Das variable Spielbrett neigt zudem ein wenig zum Driften auf glatten Tischen und im Eifer des Gefechts kann es durchaus mal dazu kommen, dass man es neu puzzeln muss.

Das Auflösen der Blockaden ist für mich ein etwas unnötig wirkendes Überraschungselement. Meistens war es so, dass ein Spieler einen “Lauf” hatte, nahezu alle Blockaden geöffnet hat und auch als erster nach El Dorado kam. Somit hätte er ohnehin sicher gewonnen. Oder zwei Spieler kämpfen um die Führung und teilen die Blockaden unter sich auf. Insbesondere im Startszenario führte das häufig zu einem Patt bei den Blockaden, da diese in gerader Anzahl ausgelegt werden.

 

Fazit

El Dorado ist ein tolles und schnell zu erlernendes Familienspiel, das den Deckbuilding Mechanismus einer neuen Zielgruppe näher bringen könnte. So gelingt dem Spiel vielleicht der Spagat zwischen Familienspiel und Gateway Game, das interessierte Spieler in die Welt der Deckbuilding Spiele einführt. Oder man rennt einfach immer wieder und wieder nach El Dorado.

Das Wettrennen um den Pöppel zum Spiel des Jahres hat Wettlauf nach El Dorado zwar leider nicht gewonnen, denn es wäre ein würdiger Preisträger gewesen, der durchaus auch langfristig immer wieder auf den Tisch kommen wird. Aber durch die Nominierung wurde und wird dem Spiel ja auch eine gewisse Aufmerksamkeit zuteil, die es vielleicht in den ein oder anderen Haushalt bringt. Es wäre aus meiner Sicht wünschenswert.

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Juli 12th, 2017 by Dirk

Verdammt! Viel zu lange hat die Suche nach dem Steinelieferant gedauert. Und jetzt haben sich ihn die verdammten Mutanten unter den Nagel gerissen. Aber wir New Yorker sind ja nicht auf den Kopf gefallen! Heute Nacht plündern wir das Ding! Dann können sie sehen, wie sie an ihr Baumaterial kommen…

Postapokalyptische Welten. Mutanten und Cyborgs. In dieser Welt ist nichts mehr wie es mal war. Es zählt nur noch das Gesetz des Stärkeren. Und jede der vier Fraktionen strebt nach einem neuen Staat. Ignacy Trzewiczeks 51st State ist der Vorgänger von Imperial Settlers. Nach deren Erfolg wurde die postapokalyptische und dystopische Variante mit einem Master Set neu aufgelegt und gründlich überarbeitet. Zeit sich in die düsteren Niederungen zu begeben.

 

Wie es gespielt wird

Spielertableau und Material von 51st State

Am Anfang… – Spielertableau und Material von 51st State


51st State ist kartengetriebenes Spiel, bei dem die Spieler versuchen durch das Erobern von Orten ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und möglichst viele Siegpunkte zu erlangen. Hat ein Spieler die Marke von 25 Punkten erreicht, ist noch in dieser  Runde Schluss.
Jeder Spieler lenkt bei 51st State die Geschicke einer Fraktion. Um deren Einfluss zu erweitern werden aus der allgemeinen Auslage Karten aufgenommen und in die eigene Auslage integriert. Jede Runde läuft dabei in vier Phasen ab.

In der Kartenphase erhalten alle Spieler die Möglichkeit Karten aus der Auslage zu nehmen.
In der Produktionsphase erhält man alle produzierten Güter der eigenen Orte.
Die Aktionsphase ist die eigentliche Hauptphase jeder Runde. Hier kann man Orte errichten (durch Abgabe von sogenannten Kontaktplättchen in Abhängigkeit der Entfernung des zu errichtenden Ortes) oder umbauen (wodurch man potenziell wertlos gewordene Orte durch Abgabe eines Baustoffes günstig in höherwertige Orte umwandeln kann), einen Deal machen (wodurch man mehr Rohstoffe in der Produktionsphase erhält), Orte der Gegner plündern, Karten- oder Fraktionsaktionen aktivieren oder offene Produktionsstätten der Gegner nutzen. Man hat also viel zu tun, um seine Fraktion im Rennen um die Errichtung des 51st State in eine gute Position zu bringen.

Spielertableau

Gegen Ende hat man schon ein paar Orte erobert


Als letztes erfolgt dann noch die Aufräumphase, in der alles an Rohstoffen abgeräumt wird, was nicht irgendwo eingelagert werden konnte.
Hat ein Spieler die Marke von 25 Punkten erreicht, ist noch in dieser Schluss. Dann werden noch je Ort in der Auslage ein Siegpunkt zum aktuellen Punktestand hinzugezählt und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Das Spiel kommt mit einem Grundset an Karten und bringt zusätzlich gleich zwei weitere Module mit, die man in das Grundset integrieren kann. So kann man die Variabilität deutlich erhöhen. So erklärt sich auch die Bezeichnung Masterset. Kürzlich erschienen ist zudem gerade die Erweiterung Die Sucher, die weitere Karten aber auch neue Spielelemente hinzufügt. Es wird also so schnell nicht langweilig – im 51st State…

 

 

Was uns gefallen hat

Ich mochte Imperial Settlers, thematisch fand ich es jedoch immer eine Spur zu niedlich. Deshalb war ich froh, als die Neuauflage von 51st State angekündigt wurde, war es doch der Vater des erfolgreichen Imperial Settlers und spielte in einer durchaus “erwachseneren” Welt. Und genau das holt mich persönlich deutlich mehr ab. Ich fühle mich an die Welten eines Philip K. Dick erinnert, der mit seinen Science Fiction Romanen und vor allem mit den Kurzgeschichten für die Vorlagen einiger der besten Sci-Fi-Filme aller Zeiten (bspw. Blade Runner, Total Recall und viele mehr) verantwortlich zeichnet.

Das Gameplay von 51st State ist eingängig und schnell erklärt. Mir gefällt auch, dass 51st State (gefühlt) wesentlich mehr Take-that-Elemente beinhaltet als Imperial Settlers. Das muss es auch, denn in der postapokalyptischen Welt wird schließlich nicht lange gefackelt, wenn man bestimmte Rohstoffe benötigt.

Die Anleitung ist klar und eindeutig geschrieben und hat mich sogar gut unterhalten. Mit einem Augenzwinkern wird beispielsweise darauf verwiesen, dass doch tatsächlich der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt. Zwischendrin fallen dann für eine Anleitung eines Brettspiels recht derbe Ausdrücke, die dem ein oder anderen vielleicht aufstoßen. Aber auch hier unterstützt das für mich die Atmosphäre des Spiels.

Die grafische Gestaltung erinnert an einen postapokalyptischen Comic á la DMZ und tut auch hier ihr übriges den Spieler in die postapokalyptische Welt zu ziehen. Für die grafische Gestaltung gibt es von mir ein Fleiß-Bienchen!

Fraktion der Mutanten bei 51st State

Fraktion der Mutanten

Die Materialqualität der Stanzteile ist sehr gut. Herausstellen möchte ich aber die Qualität der individuell gefertigten Meeple. Zahnräder und Benzinkanister – ich gebe zu, ich hatte meine Bedenken, ob die so gut gelingen können – sind von außerordentlicher Qualität. In meinem Set war nicht ein einziges schlecht gefertigtes Holzteil dabei. Nirgends war etwas abgebrochen, die Farbe war gleichmäßig verteilt – Brettspieler-Herz, was willst du mehr? 😉

Gut gefallen haben uns die unterschiedlichen Fraktionen, die sich auch tatsächlich unterschiedlich spielen und auch unterschiedlich gespielt werden wollen. Dazu noch die verschiedenen Kartendecks, die das Grundset ergänzen. Das erhöht die Variabilität und den Wiederspielreiz.

Und, heutzutage schon eher Pflicht denn Kür, einen Solo-Modus gibt es natürlich auch. Dieser simuliert einen virtuellen Gegner, der einem permanent in die Kandare fährt. Gut gemacht, aber am Ende auch hier “nur” eine Highscore-Jagd. Trotzdem aus meiner Sicht eine gute Umsetzung.

 

Was uns nicht gefallen hat

Des einen Freud ist des anderen Leid. Und so mag nicht jeder die Welt von 51st State – sei es die grafische Gestaltung oder die Sprache der Anleitung. Ich hatte damit kein Problem, der ein oder andere mag sich an der grundsätzlich gewaltbereit anmutenden Ausgestaltung jedoch stören.

Die Appalachische Föderation bei 51st State

Die Appalachische Föderation

Die Unterschiede zu Imperial Settlers sind mir zunächst kaum aufgefallen. Bis auf einen. Und den fand ich in der Tat schade. Die einzelnen Fraktionen haben hier kein eigenes Deck. Gerade das fand ich bei Imperial Settlers toll und es hätte auch bei 51st State funktionieren können, da auch hier unterschiedliche spezifische Kartendecks Sinn machen würden. Zudem erscheint mir 51st State sehr viel angriffslustiger. Vor allem das Plündern ist hier deutlich interessanter, als das Zerstören bei Imperial Settlers. Von Zeit zu Zeit ist man gezwungen den Gegner anzugreifen, damit er entweder nicht noch mächtiger wird oder man selbst einfach ein paar Rohstoffe abgreift, die man grade braucht.

Vor dem ersten Spiel ist es etwas schwierig einzuschätzen, wie sich die Fraktionen spielen, da alle etwas unterschiedlich ausgerichtet sind. Das muss man tatsächlich erfahren. Aber auch hier gilt: Nicht jeder will oder mag Asymmetrie in Brettspielen. Ich persönlich mag es, wenn man unterschiedliche Fraktionen auch unterschiedlich spielen muss.

 

Fazit

Ich mag 51st State persönlich lieber als Imperial Settlers, auch wenn letzteres eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Prinzips darstellt und durch die Fraktionsdecks sicherlich noch besser auf die Unterschiede der Fraktionen eingeht. Aber die Mad-Max-artige Welt gefällt mir so gut, dass mich das Spiel einfach in seinen Bann gezogen hat. Zudem sorgt das Fehlen der Fraktionsdecks für ein wenig mehr “Übersichtlichkeit”, da man schnell alle Karten kennt und so auch die anderen Fraktionen schneller kennenlernt. Apropos Fraktionen…ich würde mir wünschen, dass bald eine Erweiterung mit neuen Fraktionen erscheint. Die Welt von 51st State bietet noch so viel Potenzial neue Fraktionen zu entdecken und es würde mich doch arg wundern, wenn Ignazy da nicht noch ein paar Ideen hätte…

Erhältlich ist das Spiel im gut sortierten Fachhandel oder direkt im Webshop von Portal Games Deutschland.
Vielen Dank an Portal Games für die Bereitstellung des Rezesinonsexemplars.

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Sagrada Schachtel
Juni 19th, 2017 by Dirk

Letztens hatte ich Gelegenheit ein Spiel zu spielen, dessen verpasster Kickstarter Kampagne ich wirklich mal hintertrauere. Das liegt einerseits an der Art des Spiels und andererseits an seiner Optik. Sagrada ist ein buntes Würfelspiel, bei dem man als Glaskünstler versucht eines der Fenster der Sagrada Familia zu errichten. Die einzelnen Glasfarben werden dabei durch verschiedenfarbige Würfel symbolisiert. Diese muss man clever in sein Fenster einpuzzeln. So weit, so einfach.

Das Spielertableau von Sagrada mit variablem Einschub

Das Spielertableau von Sagrada mit variablem Einschub

Zu Beginn eines Zuges wird die doppelte Anzahl Würfel geworfen wie Spieler mitspielen zuzüglich eines weiteren Würfels (mathematisch ausgedrückt: Spieleranzahl x 2 + 1). Die Würfel werden blind aus einem Beutel gezogen und in einen Gemeinschaftsvorrat gewürfelt (die Benutzung eines Würfeltabletts ist sehr zu empfehlen). Mit diesen Würfeln müssen nun alle reihum arbeiten. Der Startspieler wählt einen Würfel aus, dann der Spieler links von ihm und so weiter. Der letzte Spieler in der Reihe ist dann ein zweites Mal dran und dann geht es in umgekehrter Reihenfolge zurück zum Startspieler. Nun wäre es ein langweiliges Spiel, wenn man sich nicht vorher für eine Tafel hätte entscheiden müssen, die man im Verlauf des Spiels möglichst vollpuzzeln muss. Die Legeregeln machen das Ganze knifflig und sind das Salz in der Suppe. Es dürfen nämlich nie dieselbe Farbe oder dieselbe Ziffer direkt nebeneinander platziert werden (diagonal geht). Zudem hat jeder Spieler unterschiedliche Aufgaben auf seinem Tableau. Mal sind es bestimmte Farben, mal bestimmte Ziffern, die man auf ein Feld legen muss. Sind zehn Runden gespielt, wird abgerechnet. Punkte gibt es für öffentlich bekannte Aufgaben wie zum Beispiel das Puzzeln in diagonalen Reihen einer Farbe oder senkrechten Reihen unterschiedlicher Ziffern. Minuspunkte gibt es für nicht geschlossene Lücken im eigenen Tableau.

Sagrada mit vielen bunten Würfeln

Viele bunte Würfel…

Würfelspiele – man kann es fast erahnen – mag ich. So ist es kein Wunder, dass ich Sagrada genauso sehr mag wie das mechanisch ähnlich gelagerte Blueprints. Allerdings sieht Sagrada dazu noch fantastisch bunt aus und man denkt tatsächlich an einem der bunten Fenster mitzuarbeiten. Das Material mit den dicken Spielertableaus, in die die kleinen Fensterkärtchen geschoben werden, ist toll und die Würfel leuchten wie im spanischen Sonnenlicht gebadet. Der Glücksfaktor ist erstaunlich gering und die meisten “wertlosen” Würfel gingen auf meine eigenen Fehler zurück und nicht auf Würfelpech. Nichtsdestotrotz ist es ein Würfelspiel und das kann schon mal gegen einen laufen. Die kurze Spieldauer von etwa 20 Minuten erlaubt es aber, dass man schnell eine Revanche spielen kann.

Schade, dass es das Spiel (noch?) nicht offiziell in Deutschland gibt, denn das Porto für eine Übersee-Bestellung ist horrend hoch und hat mich letzendlich damals davon abgehalten es zu unterstützen. Ein Fehler, wie ich nach dem ersten Spiel feststellen musste. Ich hoffe aber inständig auf baldiges Erscheinen…

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NMBR9 von Abacus Spiele
Mai 31st, 2017 by Dirk

Es gibt sie also doch! Ich hielt sie für einen Mythos, aber es gibt sie! Spiele, die man direkt aus der Schachtel losspielen kann. Kein Sortieren von Chips, keine langwierige Aufbauerei von Spielertableaus mit zig individuellen kleinen Holzfiguren. Einfach aufmachen und loslegen. Fragt sich nur: Wie gut ist ein solches ein Spiel? Und wie machen die das?

 

Wie es gespielt wird

Das Spielprinzip von NMBR9 ist so einfach, wie man sich ein familientaugliches Spiel wünscht. Die Regelzusammenfassung würde sicherlich auf eine der enthaltenen Karten passen, so einfach und klar sind sie. Jeder wird es verstehen und jeder kann es mitspielen.

NMBR9 von Abacus Spiele

Aller Anfang ist schwer…

NMBR9 besteht aus einem Satz Karten und den passenden Puzzleteilen in den Ziffern 0-9. In den Karten und bei den Puzzleteilen kommen alle Ziffern genau zweimal vor. Zu Beginn jeder der 20 Runden deckt ein Spieler die oberste Karte des gemischten Kartenstapels auf. Diese Ziffer nimmt sich jeder Spieler und platziert sie vor sich. Dabei gibt es ein paar einfache Legeregeln zu beachten: Legt man eine Ziffer in die untere Ebene – also auf die Tischplatte – kann man die Plättchen beliebig nebeneinander platzieren. Man darf sie nur nicht teilweise überlappen und sie müssen an einer Kante (diagonal reicht nicht!) an ein bereits gelegtes Plättchen angrenzen. Man darf auch Ziffernplättchen auf andere drauf legen – und will das sogar, da das später mehr Punkte bringt -, muss dabei dann allerdings zusätzlich folgendes beachten: Legt man ein Plättchen auf ein anderes, müssen mindestens zwei drunterliegende Plättchen davon berührt werden – also eines der Felder muss sich mit dem des darunter befindlichen Plättchens überschneiden – und es dürfen sich keine leeren Felder unter der so gelegten Ziffer befinden. So wird weitergespielt, bis alle 20 Plättchen vor jedem Spieler ausgelegt sind. Dann folgt die Abrechnung. Plättchen, die direkt auf dem Tisch – also in Ebene 0 – liegen, sind keine Punkte wert. Plättchen, die in der ersten Ebene liegen, ergeben einmal ihren entsprechenden Wert in Punkten (also die 8 entsprechend acht Punkte), liegen sie in Ebene zwei, ergeben sie schon zweimal ihren Wert in Punkten (die 8 also bereits 16 Punkte) und so weiter. Ziel ist es also, die Ziffern mit hohen Werten in die höchstmögliche Ebene zu befördern. Wer am besten gepuzzelt hat und die meisten Punkte rausgeholt hat, gewinnt.

Da man bei NMBR9 eher solitär als interaktiv spielt und es sich durch das Spielprinzip zu zweit genauso gut spielt wie zu viert, könnte man es sogar mit bis zu acht oder zwölf Spielern spielen, wenn man mehrere Sets des Spiels besitzt. Allerdings könnte es dann häufiger zu einem Unentschieden durch ähnlich gelegte Plättchen kommen. Dann könnten die Beteiligten ja noch eine Entscheidungspartie spielen, denn eine Partie dauert in der Regel nicht mehr als zehn Minuten. So eignet sich NMBR9 sicherlich auch gut für große Runden…

 

Was uns gefallen hat

Direkt aus der Schachtel losspielen und keine Zeit für den Aufbau “verschwenden”, das können nur wenige Spiele bieten. Erreicht wird das vor allem durch den gut geplanten Sortiereinsatz, der alle Puzzleteile und Karten sauber sortiert für die Spieler bereithält.

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Viel Platz braucht man für NMBR9 nicht…

Sicherlich ist es kein großes Spiel dieses NMBR9, aber es ist jedesmal eine Herausforderung, anders als die Mitspieler zu puzzeln und so am Ende mehr Punkte zu machen. Das Spiel ist zudem jedesmal anders, denn die Abfolge der Karten variiert mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von Spiel zu Spiel.
Das Material ist solide gefertigt und entspricht dem Standard. Die Pappteile sind schön dick und die Optik erinnert sicherlich nicht umsonst an das bekannteste Puzzlespiel schlechthin – Tetris.

 

Was uns nicht gefallen hat

Wenig zu meckern gibt es hier, schließlich ist es ja auch eher eine kleines feines Spielchen mit einem einfachen aber cleveren Puzzlemechanismus. Die Vergleichbarkeit der Partien ist bei einem Spiel wie NMBR9 natürlich schwierig, da vieles davon abhängt, wann die entsprechenden Ziffern aus den Karten gezogen werden. Werden die hohen Ziffern am Anfang gezogen, werde ich sicherlich weniger Punkte machen als in Partien, in denen diese eher später gezogen werden. Deshalb ist es gut, dass jede Ziffer zweimal gezogen werden kann. Das mindert den Glücksfaktor etwas.
Ich bin allerdings sehr gespannt, wie lange die Pappteile durchhalten werden, denn manchmal klemmen sie doch ein wenig und man muss sie etwas nachdrücklich ihrer Bestimmung zuführen. Dabei löst sich gerne auch mal die bedruckte Schicht der Teile leicht an den Rändern ab. Zudem rutschen einem die Teile auch manchmal leicht durcheinander und man muss versuchen den alten Stand zu rekonstruieren. Vielleicht bringt Abacus – ähnlich wie bei Hanabi – noch eine Luxusversion mit großen und präzise geschnitten farbigen Acrylteilen, die sich eine Art Nut-und-Feder-System sicherer aneinander festklammern. Würde sicherlich sehr schick aussehen und den ein oder anderen Abnehmer finden…

 

Fazit

Mit NMBR9 hat Abacus ein tolles kleines Puzzlespiel vorgelegt, das man auch in Runden mit Vielspielern gerne als Auftakt oder Absacker spielen kann. Die Auf- und Abbauzeit ist aufgrund des genialen Sortiereinsatzes zu vernachlässigen bzw. geht gegen Null. Es macht echt Spaß zu schauen, ob man effizienter puzzeln kann als seine Mitspieler. Und wer mag, kann auch gegen sich selber um den Highscore puzzeln, was mir aufgrund des Glücksfaktors beim Kartenziehen allerdings eher darauf hinausläuft, dass die Karten in der bestmöglichen Reihenfolge aufgedeckt werden. Schade, dass es NMBR9 weder auf die Nominierungsliste noch auf die Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres geschafft hat. Verdient gewesen wäre es aus meiner Sicht.

 

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Mai 10th, 2017 by Dirk

“Nur noch eine einzige Zutat“, dachte der Zauberlehrling und fischte die fehlende Einhornträne aus dem Zutatenspender. Plötzlich erschütterte eine gigantische Explosion den Prüfungsraum. Nachdem sich der Rauch gelegt hatte, stand er mit einer bunten Mischung an Zutaten für seine Zaubertränke da und keiner hat es gemerkt. Jetzt einfach unschuldig schauen und munter weiter mixen…

Die Spielerauslage für zwei Tränke


So oder so ähnlich läuft es ab, wenn ein Lehrling in Potion Explosion einen Trank mischt. Das Spiel ist schon einen Augenblick auf dem Markt, die App zum Spiel wurde gerade veröffentlicht und eine Erweiterung steht in den Startlöchern. Zeit sich das Spiel noch mal etwas genauer anzusehen.

 

Wie es gespielt wird

Wer kennt sie nicht? Die kleinen Spiele auf dem Smartphone, bei denen man Kügelchen nimmt, dreht oder schiebt und damit dann eine Kettenreaktion auslöst. Einen vergleichbaren Mechanismus überträgt Potion Explosion auf ein Brettspiel. Und zwar komplett physisch. Dazu muss zunächst ein Murmelspender zusammengebaut werden und vor dem Spiel mit den bunten Glaskugeln befüllt werden. Diese stellen unsere Zutaten dar, die wir für die Zaubertränke brauchen, von denen wir nur zwei auf einmal auf unserer kleinen Kochstelle anrichten können. Und für das korrekte Brauen der Tränke gibt es dann Punkte – für kompliziertere mehr als für einfache. Zudem sammeln wir Zauberorden für das Zubereiten von je drei gleichen oder fünf unterschiedlichen Tränken. Klingt erst mal recht einfach – könnte man die zubereiteten Tränke nicht auch noch zum eigenen Vorteil nutzen. So kann ich jeweils vor oder nach meinem regulären Zug – der besteht nämlich eigentlich nur aus dem Nehmen einer einzelnen Zutat (aka Murmel) aus dem Murmelspender – beliebig viele meiner fertig gebrauten Tränke zu mir nehmen und mir deren Effekte zunutze machen. So kann man die aktuelle Murmelsituation vor oder nach dem Zug verändern und an weitere Zutaten kommen. Die Tränke erlauben es, dass man beispielsweise bis zu fünf Zutaten einer Farbe aus einer Murmelbahn entfernen kann, aus der unteren Reihe je eine Murmel einer Farbe nehmen kann, dem Gegner Zutaten aus seinem persönlichen Vorrat klauen kann und so weiter. Die Punkte der getrunkenen Tränke sind dabei nicht verloren, denn ich habe dem Professor ja schon gezeigt, was ich tolles kann. Die Zutaten, die man nun in der Hand und im persönlichen Vorrat hat, kann man frei auf die gerade im Brauprozess befindlichen Tränke verteilen. Zutaten, die bereits aus einem vorherigen Zug auf

Später im Spiel hat man schon einiges an Tränken gebraut…das kann nützlich sein.

die Tränke verteilt wurden, dürfen natürlich nicht mehr umgelegt werden. Was übrig bleibt und nicht in den drei Zutaten fassenden Vorrat passt, fliegt zurück in den Behälter. Kommt man mal nicht so gut zurecht mit den aktuellen Murmeln im Spender, kann man auch den Professor um Hilfe bitten. Dafür erhält man zwar zwei Minuspunkte, kann aber vielleicht einen 10 Punkte Trank vollenden und glänzen.

Das Spiel endet, wenn die spielerzahlabhängige Menge an Zauberorden aufgebraucht ist und es gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten.

 

Was uns gefallen hat

Zugegebenermaßen ist das Spiel schon etwas älter- zumindest für die schnelllebige Brettspielzeit heutzutage – aber dennoch einen Blick wert. Auch wenn es natürlich kein strategischer Gehirnverzwirbler ist, offenbart sich nach ein paar Spielen doch mehr Tiefe als zunächst angenommen. Trotzdem ist es leicht genug, dass sogar sechsjährige es einfach mal so mitspielen können oder Wenigspieler einfach aus dem Bauch heraus Murmeln nehmen und Tränke nutzen. Der Aufforderungscharakter ist gerade aufgrund des Murmelspenders extrem hoch und animiert selbst Spielemuffel dazu mal eine Partie mitzuspielen.
Nichtsdestotrotz sollte man Potion Explosion nicht unterschätzen, kommt es doch wie ein locker leichtes Spielchen daher, das erst mal nach einem Fun-Spiel aus der Reihe “einfaches Familienspiel” aussieht. Kommen allerdings die richtigen Spieler zusammen, kann es ganz schön hoch hergehen in der Zauberschule. Da wird geklaut, da werden absichtlich die passenden Kugeln aus der Bahn genommen, damit der Gegner seinen Trank nicht vollenden kann oder Tränke vom Stapel genommen, die dem Gegner es ermöglichen würden den nächsten Zauberorden zu erlangen und das Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden. Und so ist es irgendwie schade, dass Potion Explosion es nicht zu größeren Ehren gebracht hat, denn es ist einfach zu lernen, von jeder Zielgruppe zu spielen und trotzdem mit ausreichender Varianz, dass auch Vielspieler mal eine Partie mitspielen. Ergänzt durch eine überschaubare Spielzeit ist es eigentlich ein Anwärter für das Spiel des Jahres gewesen. Warum es dafür nicht in Frage kam, kann ich nur mutmaßen…

 

Was uns nicht gefallen hat

Eigentlich ein tolles Spiel für groß und klein mit hohem Aufforderungscharakter und trotzdem was zu meckern? Ja, in der Tat. Die erste Auflage war produktionstechnisch gelinde gesagt eine Katastrophe. Der Murmelspender war komplett fehlproduziert und ließ sich gar nicht erst gemäß Anleitung zusammenbauen. Dies wurde zwar gelöst, indem Käufer der ersten Auflage einen Ersatzstanzbogen erhielten, dieser war allerdings auch fehlerhaft, denn er war zu hoch und die Schachtel ließ sich nicht mehr schließen. Zwar wurde ein Ersatz angeboten und in der zweiten Auflage war alles in Ordnung, allerdings blieb dann noch das Problem mit den Murmeln. Die waren teilweise nicht von guter Qualität und die Farben waren nicht immer einwandfrei zu unterscheiden. Alles keine schwerwiegenden Probleme, zumal das Spiel an sich gefällt, aber dennoch mit Ausstrahlung auf eine Bewertung. Auch die Regel hätte man deutlich kompakter gestalten können und noch mal eine Art Spielerhilfe beilegen können, in denen die einzelnen Tränke und ihre Wirkung erklärt sind.

 

Fazit

Potion Explosion ist ein tolles Spiel, das man gerne und immer wieder spielen kann. Entweder im Familienkontext oder auch als lockerer Absacker am Strategiespieleabend. Schade, dass man vor allem am Anfang so viele Materialprobleme hatte, denn ansonsten hätte ich fast gar nichts zu meckern gehabt.

In der nahen Zukunft wird nun endlich auch die bereits für die Spiel’16 angekündigte Erweiterung erscheinen, bei der es eine Art Jokerzutat gibt. Zusammen mit der gerade erschienen Brettspiel App dürfte das Lineup dann komplett sein. Für mich bleibt Potion Explosion ein klarer Kauf, alleine schon wegen dem großen Spaß mit der Murmelbahn.

Hier geht es zur Website von Horrible Games oder eben bei Heidelberger/Asmodee

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