Category: Meinung

Mai 24th, 2017 by Dirk

Da ist sie – DIE Liste – ENDLICH! Tausende Podcast-Minuten und Blogger-Worte wurden bereits im Vorfeld aufgewendet, um die Nominierten zum Spiel des Jahres korrekt vorherzusehen. Meinungen wurden ausgetauscht und persönliche Geschmäcker hinterfragt. Und kaum ist sie da, geht es von vorne los – tausende Podcast-Minuten und Blogger-Worte… Aber jetzt wird gemeckert, gerätselt und verwundert geschaut, wie denn die Jury nur DIESE Liste zusammenstellen konnte. Und warum ist eigentlich Spiel XY nicht berücksichtigt worden?! In der Haut der Jury möchte ich nicht stecken. Denn wie bei jeder Jury ist es eigentlich egal, wie sie sich entscheidet, irgendwer wird sich beschweren oder ein Spiel vermissen. Deshalb möchte ich vorab schon mal den Hut ziehen vor dieser Jury, die so viel Kritik aushalten muss.

Nun wäre ich allerdings ein schlechter Blogger, wenn ich diesen weltweit wichtigsten Spielepreis nicht ebenfalls kommentieren würde – man muss förmlich was dazu sagen. Zunächst mal folgendes: Von der diesjährigen Liste zum Spiel des Jahres bin ich sehr angetan. Alle Spiele, die sich darauf finden, haben es verdient dort zu stehen. Und ich verstehe auch, dass die Jury sich entscheiden muss. Dennoch bin ich überrascht über einige der enthaltenen Titel und enttäuscht über ein paar nicht enthaltene Titel.

Spiel des Jahres LogoZunächst zum roten Pöppel, dem klassischen Spiel des Jahres: Hier bin ich vor allem begeistert, dass sich das mit einem Donnerhall auf der Bildfläche erschienene Magic Maze auf der Liste wiederfindet, das ich sehr schätze und bereits mit den Bretterwissern hinreichend diskutiert und besprochen habe. Ein tolles Spiel, das emotional mitnimmt und das ich immer wieder spielen könnte. Für mich der Kandidat, der den roten Pöppel gerne gewinnen darf.
Schade finde ich, dass sich Cottage Garden und Nmbr9 auf der Liste gar nicht wiederfinden. Beide Spiele schätze ich und ich hätte beiden zumindest eine Empfehlung gewünscht. Cottage Garden, weil es einen Puzzlemechanismus in einem einfachen Spiel und mit einem zielgruppenneutralen Thema verpackt. Nmbr9 lässt sich quasi sofort aus der Schachtel losspielen und man kann schon mit heranwachsenden Kindern knobeln, puzzeln und wetteifern, wer die Zahlen effizienter kombinieren kann.

In der grauen Kategorie (Kennerspiel des Jahres) vermisse ich mein geliebtes First Class – für mich eine verspätete Entdeckung von 2016, die ich sehr in mein Herz geschlossen habe (siehe auch hier). Hieran schätze ich, dass ich als Vielspieler auch mit Gelegenheitsspielern gut spielen kann, viel Variabilität habe und durch die Module immer wieder neue Kombinationen möglich sind. Außerdem funktioniert es in nahezu jeder Besetzung.
Überrascht hat mich die Nominierung von Terraforming Mars. Durch die vielen unterschiedlichen Karten und den notwendigen Drafting Mechanismus zu Beginn des Spiels wirkt es komplexer als es im Kern tatsächlich ist. Diese Entscheidung hat mich überrascht, auch wenn es mich für den zweifach in dieser Kategorie nominierten Schwerkraft Verlag freut und ich Terraforming Mars für ein sehr gutes Spiel mit einem stimmigen Thema halte.
Schließlich noch Räuber der Nordsee. Hier gefällt mir der innovativ neu gedachte Worker Placement Mechanismus, bei dem der Spieler nur einen einzigen Arbeiter im Vorrat hat. Die grafische Gestaltung ist meines Erachtens eine der besten, die ich kenne. Die Bilder der Karten sind so toll und kraftvoll gestaltet, dass meine Kinder stets mit den Karten spielen und Schlachten und Raubzüge nachstellen wollten. Mich hat überrascht, dass das Spiel trotz thematischem Plündern und Brandschatzen – in der Vergangenheit schon mal ein Hinderungsgrund für eine Nominierung – zu einer Nominierung kam. Das Spiel steht für mich spielerisch in einer Linie mit Spielen wie bspw. Stone Age, die leicht relativ gut zugänglich sind und trotzdem vielen Gelegenheitsspielern das Tor zu einer anderen Art von Spielen geöffnet haben.

Die Nominierten zum Spiel des Jahres werden ja auch noch ergänzt durch durch eine Empfehlungsliste, auf denen sich weitere interessante Spiele finden.
Mit Great Western Trail ein aus meiner Sicht absolutes Expertenspiel in der Kennerspiel-Kategorie, mit dem es Alexander Pfister scheinbar fast schon wieder auf die Nominiertenliste geschafft hätte.
Les Poilus, ein im ersten Weltkrieg angesiedeltes kooperatives Spiel findet sich auch auf der Empfehlungsliste. Es hätte eine Nominierung wegen des Themas und der grafischen Umsetzung sowie der spielerischen Herausforderung absolut verdient gehabt.

Kurz zusammengefasst: Ich vermisse zwar ein paar wenige Titel und einige haben mich überrascht, aber insgesamt hat die Jury eine tolle und in Teilen mutige Liste zusammengestellt.

Ein letztes Wort noch zu den nominierten EXIT-Spielen. Diese Nominierung im rahmen der Spiel des Jahres Liste war meines Erachtens zwingend notwendig. Escape-Rooms und Exit-Spiele sind ein großer Trend, der sich in dieser Liste folgerichtig wiederfinden musste. Nicht nur deshalb, weil die Spiele im Trend sind – das alleine wäre sicherlich kein Argument -, aber sie sind auch wirklich eine innovative Bereicherung und können auch absolute Nicht-Spieler erreichen. Und das Argument, dass diese Spiele einmal spielbar seien, das gilt für mich nicht. Denn wie viele tolle Computerspiele sind auch nur einmal sinnvollerweise spielbar?! Hunderte Adventuregames lassen sich im Grunde nur einmal spielen und verlieren dann an Reiz, da man die Rätsel und ihre Lösung kennt. Warum das nicht auch einfach für Brettspiele gelten lassen? Aus meiner Sicht ist diese Einmaligkeit kein Hindernis und kann durchaus auch als Entwicklung in der Branche gesehen werden, die sich ja auch bei vielen Story-getriebenen Konzepten wie zum Beispiel Die Legenden von Andor ebenfalls zeigt. Nach Spielen, die sich (theoretisch) endlos wieder rund wieder spielen lassen, gibt es nun eben auch Spiele, die man im wesentlichen nur einmal spielen kann. Ich sehe darin kein Problem und denke, dass es die Spiele verdient hätten den Pöppel zu bekommen.

Hier findet ihr die Listen der Jury zum Selbststudium… Dort findet man auch noch mal die Begründung für die Nominierung der einzelnen Spiele.

PS: Zu den Kinderspielen kann ich leider nichts sagen, da ich sie selbst – abgesehen von einer schnellen Partie Ice Cool in Essen letztes Jahr – noch nicht gespielt habe…

 

Posted in Meinung Tagged with: ,

Januar 1st, 2017 by Dirk

ACHTUNG! EIGENE MEINUNG!

Wie viel darf ein Spiel kosten? Warum ist dieses Kartenspiel so teuer? Und wer bezahlt 50 Euro für ein Spiel, das man nur einmal spielen kann? Rund um diese Fragen habe ich mir über die besinnlichen Festtage ein paar Gedanken über die Bewertung und den Preis von Spielen gemacht.

Im Vorfeld der diesjährigen Spielemesse in Essen ist es mir zum ersten Mal aufgefallen. Es wurde neben den Themen und Mechaniken der Spiele auch vermehrt über deren Preis diskutiert. Vielleicht ist es mir erst dieses Jahr aufgefallen, da ich mich immer mehr mit dem Thema „Spiele“ und der Brettspiel-Szene selbst auseinandersetze. Aber in den vergangenen Jahren war die Diskussion aus meiner Sicht nicht so omnipräsent. Ausgelöst wurde die Diskussion unter anderem durch ein paar Titel, die dieses Jahr auch preislich hervorstachen – bspw. Die Kolonisten, Ein Fest für Odin oder auch Scythe und Seafall. Häufig hängt sich die Diskussion aber auch an Spielen auf, die deutlich weniger kosten als die oben genannten und bei deren Preis dann über das Material oder die Spielhäufigkeit diskutiert wird. Vielleicht wird es Zeit, Spiele in einem anderen Kontext zu bewerten.

Galt ein Spiel mit 50 Euro vor wenigen Jahren noch als sehr teuer, scheint es mittlerweile nicht mehr so ungewöhnlich zu sein, dass man 50 oder gar 60 Euro für ein gut ausgestattetes „großes“ Spiel bezahlt. Das kann man in der Regel unter der relativ normalen Preisentwicklung aufgrund von Inflation verbuchen, die wir auch in anderen Bereichen des alltäglichen Lebens beobachten können. Ich erinnere mich noch gut, als ich vor vielen Jahren – ich vermute es müssen etwa 25 Jahre (autsch!) sein – im örtlichen Kaufhaus in Friedberg (Hessen) vor dem Spieleregal stand und recht weit oben eine gigantische Box lag – Shogun von MB. Nicht nur die Größe der Box und das Artwork darauf verschlugen mir die damals Sprache, auch der Preis von 90 D-Mark erschien mir völlig utopisch. Für mich war das die erste Begegnung mit einem als sehr teuer wahrgenommenen Spiel.

Aber wie bewertet man nun den Preis und den Inhalt zueinander? Mit Inhalt ist natürlich nicht nur der Materialwert gemeint oder die reinen Herstellungskosten. In einem Spiel steckt ja noch viel mehr – häufig genug vor allem Herzblut des Autors, des Grafikers und derer, die es im Verlag umgesetzt haben. All das kann man mit Geld natürlich nicht wirklich bewerten. Und dann steckt darin ja auch noch der Spaß für die Spieler. Die Vorfreude beim Entfernen der Folie, beim ersten Öffnen der Schachtel und beim Ausdrücken und Sortieren der Spielmaterialien. Am Ende natürlich der Spaß beim Spielen selbst. All das macht Spiele aus und muss bei der Preisdiskussion auch berücksichtigt werden.

Auffällig ist, dass vor allem kartenbasierte Spiele häufig bei dieser Diskussion schlecht wegkommen. „Das sind ja nur Karten! Warum ist das Spiel dann so teuer?“ ist ein häufig gehörter Vorwurf dabei. Warum aber soll das Spiel billiger sein, wenn die selbe Arbeit drin steckt und vielleicht sogar viele unterhaltsame Stunden am Spieltisch mit Freunden verbracht werden können? Nur weil kein Spielbrett dabei ist? Ein Buch besteht ja auch nur aus Papier und ein paar Pappdeckeln und trotzdem würde nie jemand ein Buch auf Basis des reinen Materials bewerten. Dann kämen e-books wirklich schlecht weg…

Ich habe mir in den letzten Tagen ein paar Gedanken dazu gemacht und für mich nun mal Folgendes festgelegt: Wenn ein Spiel pro Mitspieler und Stunde Spielspaß weniger als 5 Euro kostet, ist es aus meiner Sicht seinen Preis wert. Warum ich ausgerechnet dieses Maß wähle? Ich setze es einfach mal ins Verhältnis zu einem Kinobesuch. Der kostet – ohne Getränke und sonstiges Drumherum – etwa zehn bis zwölf Euro pro Person für etwa gut zwei Stunden Unterhaltung. Erreiche ich diesen Wert mit einem Spiel, ist es seinen Preis wert – und zwar unabhängig vom Material. Je häufiger ein Spiel also auf den Tisch kommt, desto mehr rechtfertigt es seinen Preis. Spiele, die man einmal spielt und die dann im Schrank stehen, können somit auch bei einem niedrigeren Preis deutlich weniger wert sein als Spiele mit einem hohen Preis, die öfter gespielt werden. Das erleichtert im übrigen auch die Diskussionen rund um die „nur“ einmal spielbaren Escape oder Legacy Spiele. Habe ich mit einem Spiel für 10 Euro mit vier Personen eine Stunde Spaß, komme ich auf 2,50 Euro – aus meiner Sicht war es seinen Preis wert. Vielleicht sind die fünf Euro zu hoch angesetzt, aber es steht ja jedem frei, einen anderen Wert zu wählen und so seinen eigenen BeWERTungspunkt für Spiele festzulegen. Vielleicht ist es ja auch der magische Euro pro Stunde Spielspaß, den man im Computerspielebereich immer mal wieder hört.

Sicherlich ist diese Betrachtung eher betriebswirtschaftlich geprägt und vernachlässigt vor allem das Herzblut und die Sammelleidenschaft. Allerdings geht es ja auch darum Leute zu überzeugen, die ein Spiel ausschließlich auf den Preis und das enthaltene Material reduzieren möchten. Vielleicht erleichtert dieser Ansatz ja die Diskussion und fördert die Einsicht, dass eine Bewertung von Spielen mehr sein muss als nur der Preis für das enthaltene Material und die Herstellung. Auch ich habe etwas gebraucht zu verstehen, warum man die Diskussion führen muss. Denn nur, wenn man diese Sichtweise verinnerlicht hat und Spiele nicht nur auf ihren Preis und ihr Material reduziert, versteht man, warum Spiele zu Recht ein Kulturgut sein müssen.

 

Posted in Meinung Tagged with: , , , , ,

Oktober 3rd, 2016 by Dirk

Kleines Update

Nach Veröffentlichung des Artikels ist Christoph von Escape-Game.org an mich herangetreten und hat mich auf ihr Angebot aufmerksam gemacht. Ich finde das Angebot super, da man über die Webseite einen durchsuchbaren Guide zu Escape Rooms in Deutschland erhält und auch ein paar Infos zu den einzelnen Räumen veröffentlicht werden. Leider fehlt noch eine Umkreissuche, aber unten auf der Seite findet man eine Liste mit den Städten, die in der Datenbank sind.

Das Angebot findet ihr unter www.Escape-Game.org Schaut euch doch mal um und findet einen Escape Room in eurer Nähe…


Zwei Trends lassen sich aktuell unter urbanen Menschen feststellen: Man jagt virtuelle Zauberwesen und versucht zu entkommen. Letzterer Trend begann vor gar nicht allzu langer Zeit mit den überall wie Pilze aus dem Boden schießenden Escape-Rooms. Hier wurden Räumlichkeiten angemietet und entsprechend ausgestattet, damit man, nachdem man hineingeleitet wurde, dieser Räumlichkeit durch das Lösen zahlreicher Rätsel wieder entkommen kann. Man fühlt sich an Filme wie Saw oder Cube erinnert. Aber nicht jeder kann aufgrund seiner individuellen lokalen Gegebenheiten an dem Spaß des Entkommens teilhaben, denn ähnlich wie bei den Pokemons finden sich die meisten Escape-Rooms in Großstädten. Da schaut die ländliche Bevölkerung (man ist geneigt „schon wieder“ zu sagen) in die Röhre. Und da man ja in der Vergangenheit bereits erfolgreich Gesellschaftsspiele basierend auf Gameshows entwickelt hat (bspw. Schlag den Raab oder Wer wird Millionär?) liegt es doch nur nahe auch den Trend zu Escape-Rooms im Gesellschaftsspiel aufzugreifen. Denn auch bei den Gameshows wollte jeder mitmachen („Das was der kann/weiß, kann/weiß ich auch!“), aber nur wenige kamen zum Zuge. Also brachte man die Gameshows in die Häuser und Wohnungen der potenziellen Teilnehmer. Und jetzt also die Escape-Rooms…

Und so begibt es sich, dass bei der  diesjährigen Spielemesse in Essen das Escape- bzw. Exit-Spiel bei zahlreichen Verlagen im Fokus steht. Bei manchem gibt es sogar eigene Räume, in denen man das Escape-Spiel spielen kann – welch Euphemismus.

Woran liegt aber der Reiz in die Räume zu gehen, aus denen es kein einfaches Entkommen gibt? Natürlich kann man nur spekulieren, aber mein Gefühl sagt mir, das es sich ähnlich verhält wie mit dem täglichen Mittagessen in der Kantine des Großkonzerns. Ein gewiefter Mensch schrieb einst, dass die Menschen sich bereits so gerne morgens mit dem täglichen Mittagsmahl in der Kantine beschäftigen, weil dies die einzige Entscheidung sei, die man an einem Arbeitstag wirklich selber treffen darf. Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens der Punkt, dass man die morgens getroffene Entscheidung gerne mittags noch mal revidiert und somit das Gefühl der eigenen Entscheidungsgewalt noch mal erhöht. Und hier liegt glaube ich auch bei den Escape- und Exit-Spielen der Hase im Pfeffer. Auch hier trifft man in einer kleinen Gruppe eine Entscheidung, wie es weitergehen soll und wie das Rätsel zu lösen ist und das unter Zeitdruck. Und dieser Kick, der einen im normalen Leben unter unfassbaren Stress setzen würde, kann im Spiel hemmungslos ausgekostet werden. Man geht vielleicht hohe Risiken ein und probiert Wege aus, die man im „real life“ nie einschlagen würde. So weiß man stets: Ist ja alles nur ein Spiel. Und so gibt man sich dem Gedanken an das Lösen des Rätsels unter Zeitdruck voll und ganz hin.

Die angebotenen Spiele selber könnten unterschiedlicher kaum sein. Ich habe mir alle im Vorfeld der Spiel mal angesehen, aber leider noch keines selber spielen können. Das Ziel zu entkommen ist natürlich allen gemein, die Umsetzung jedoch nicht.

Die „Exit“-Reihe von Kosmos ist eher einfach gehalten, kartenbasiert, mit einer Decoder-Scheibe und damit ein günstiger Einstieg in den Reiz zu entkommen (UVP: 12,99 Euro), wohingegen andere Verlage richtige kleine Apparate konstruiert haben, die sie mitliefern. Diese Vertreter sind natürlich ungleich teurer, aber aus meiner Sicht auch reizvoller. Besonders interessant fand ich das Angebot von Noris (UVP: 49,99 Euro), bei dem ein Apparat mitgeliefert wird, der als Timer dient und auch gleichzeitig das Decodieren der Rätsel übernimmt. Auch wenn das Angebot von Noris zunächst vergleichsweise teuer wirkt, muss man bedenken, dass bei „Escape Room – Das Spiel“ direkt vier Fälle mitgeliefert werden. Der dritte im Bunde ist die Firma Thinkfun, die in der Vergangenheit vor allem durch clevere Knobel-Spiele – bspw. das großartige Rush Hour – in Erschienung getreten ist. Auch hier bekommen wir ein Komplettpaket geliefert, allerdings enthält dieses auch nur einen Fall, ist etwas aufwändiger gestaltet als die Kosmos- Reihe und liegt damit auch preislich im Mittelfeld (20,95 Euro).

Im Übrigen gab es bereits vor ein paar ein paar Jahren ein Spiel, dass mit ähnlichen Mechanismen und Setups gespielt hat. „Escape“, erschienen bei Queen Games, hatte auch das Ziel innerhalb von zehn Minuten aus einem Tempel zu entkommen, wenn auch ohne das Lösen von Rätseln, sondern durch möglichst schnelles Würfel und rasches Erkunden des Tempels. Mitgeliefert wurde ein Soundtrack auf CD, der einen zeitlich unter Druck gesetzt hat und die Spannung erhöht hat. Nachteil war allerdings, dass man öfter mal einen kleinen Fehler gemacht hat, da alle Spieler wie wild am Würfeln und am Entdecken sind. Das ist eher Stress pur und weniger Knobelei.

Ich denke, dass dies nur der Auftakt ist für eine Vielzahl ähnlicher Spiele sein wird. Aus meiner Sicht gibt es hier noch viel Potenzial und Entwicklungsmöglichkeiten. Insbesondere die Unterstützung durch dazugehörige Apps könnte die Wirkung der Spiele noch erweitern. Dadurch hätte man auch die Möglickeit neue oder verbesserte Rätsel bereitzustellen und nur eine Art Basis-Austattung als Grundsüiel zu verkaufen. Ähnlich wurde dies bereits bei TIME Stories realisiert, wenn auch komplett offline. Vor allem glaube ich, dass die aufkommenden VR-Brillen zukünftig hier noch eine wesentliche Rolle spielen könnten. So könnte man weltweit mit Menschen vernetzt Rätsel lösen und einem Raum entkommen, der durch fotorealistische Grafiken den Eindruck erzeugt, man sei in einem echten Raum. Ich bin gespannt, was hier noch kommen wird und werde mir definitiv einen der oben genannten „klassischen“ Escape-Spiele-Vertreter im Essen ansehen.

Posted in Meinung Tagged with: , , ,

September 22nd, 2016 by Dirk

Spielen mit Kindern führt häufig zu einem Problem – insbesondere in Haushalten mit überdurchschnittlich vielen Spielen. Ab einem gewissen Alter wollen die Kinder einfach keine Kinderspiele mehr spielen. Ich taxiere dieses Alter mal auf circa 5 bis 8 Jahre – in Abhängigkeit von der Spiele-Sozialisation der kleinen Racker. Sie interessieren sich ab diesem Alter für die Spiele, die Mama und Papa spielen. Schließlich haben die ja auch die cooleren Bilder auf dem Karton – ein nicht zu unterschätzendes Kriterium für die Spieleauswahl bei den kleinen Heranwachsenden. Es stellt sich also nun die Frage, wie man diese Begierde stillen kann und welche Spiele sich dazu vielleicht sogar besonders eignen.

Zunächst mal ein paar grundsätzliche Gedanken zur Wahl des geeigneten Spiels: Klar dürfte sein, dass sehr komplexe Spiele (bspw. Russian Railroads) mit schier unendlich wirkenden Aktionsmöglichkeiten ausscheiden – auch wenn es von Agricola nun eine Familienvariante gibt, es eignet sich eher nicht so gut. Vielmehr sollte man Spiele mit einer ganz klaren Zielsetzung auswählen, die auch nicht zu weit abschweifen lässt. Sprich: Das Ziel des Spiels sollte direkt erfassbar und erreichbar sein. Aber welche Spiele eignen sich nun vor diesem Hintergrund am besten? Meiner Meinung nach gibt es hier drei Alternativen, die ich kurz beschreiben möchte.

Alternative 1: Das Spiel erfüllt diese Anforderung direkt. Ein Beispiel für diese Art Spiel ist „Cacao“. Der Auftrag und das Ziel sind klar: Sammle so viel Gold wie möglich durch geschicktes Anlegen von Dschungel-Plättchen. Hilfreich ist hierbei, dass man nur drei Plättchen zur Wahl hat und auch die Komplexität der Plättchen nicht sonderlich hoch ist. In der ersten Partie brauchen die Nachwuchsspieler noch etwas Unterstützung. Die zweite Partie läuft dann schon weitgehend alleine und man muss nur ab und an mal auf die sich bietenden Alternativen hinweisen. In der dritten Partie klappt das dann schon ganz alleine und man kann beginnen den Kindern die tieferen Mechanismen des Spiels beizubringen („Leg das doch hier hin, damit deine Gegner den Ort nicht mehr nutzen können…“). Spätestens ab der vierten Partie (manchmal aber auch schon eher…) verliert man auch mal gegen sein Kind – natürlich ohne Absicht!
„Zug um Zug“ von Alan R. Moon fällt zwar auch in diese Kategorie, aber die vielen schwer zu lesenden Städtenamen erschweren hier den Einstieg etwas und Kinder müssen auf jeden Fall einigermaßen lesen können, um es wirklich spielen zu können.

Alternative 2: Man nimmt ein komplexeres Spiel und reduziert es auf die ganz einfachen Basiselemente. Anschließend fügt man Stück für Stück wieder hinzu bis man irgendwann wieder das ganze Material des Spiels im Einsatz hat. Hierzu eignet sich auch nicht jedes Spiel, da man idealerweise überschüssiges Material aus dem Spiel entfernt, um die Kinder nicht abzulenken. Ich habe mir mal Kingdom Builder herausgesucht und entsprechend vereinfacht. Zunächst spielt man ohne die Bonusplättchen (Oase etc.) und nur mit einer einzigen Kingdom Builder-Karte. Letztere sollte dann auch noch eine der einfacheren Sorte sein, also beispielsweise der Fischer, bei dem Siedlungen am Wasser Gold bringen. Das ist einfach zu erfassen und leicht umzusetzen. Die Bauregeln für die Siedlungen (Geländekarte ziehen und drei Häuser wenn möglich angrenzend bauen) bleiben so wie sie sind – sind ja einfach genug. In den folgenden Spielen kann man dann sukzessive weitere Elemente hinzunehmen – eine zweite Kingdom Builder-Karte, erste Ortsplättchen, die dritte Kingdom Builder-Karte und so weiter. Bei allen Elementen, die man hinzunimmt, sollte man darauf achten, dass man zunächst die einfacheren der zur Verfügung stehenden Elemente wählt. Bei den Ortsplättchen haben sich die Oase, das Orakel, die Farm und der Turm bewährt. Bei den Kingdom Builder-Karten eignen sich der Fischer, die Bergleute und der Einsiedler besonders gut. Nach und nach erschließen sich die Kinder so die Welt eines komplexeren Brettspiels.

Alternative 3: Kooperative Spiele eignen sich sehr gut, um sie mit Kindern und Heranwachsenden zu spielen. Dabei hat sich vor allem Flash Point als nahezu ideal herausgestellt, verfügt es doch schon „ab Werk“ über eine einfachere und eine komplexere Version. Thematisch finden vor allem Jungs Gefallen an dem Spiel und stürzen sich begeistert in die Löscharbeiten. Hierbei kann man die Kinder anleiten ohne sie zu bevormunden – schließlich wollen wir ja gemeinsam gewinnen. Und zusätzlich lernen die jungen Spieler auch mal auf den Rat eines anderen zu hören und im Team zu arbeiten.

Innerhalb dieser drei Alternativen finden sich sicherlich zahlreiche andere Spiele, die sich dazu eignen, dass die Kids endlich auch mal die Spiele von Mama und Papa mit den coolen Zeichnungen auf dem Karton spielen können. Faktisch bedeutet dies allerdings, dass man künftig keine „Babyspiele“ mehr anbringen darf, die sind voll uncool! Umso besser, dass Haba sich entschieden hat, ihre Familienspiele in einem anderen Design zu veröffentlichen. Der gelbe Karton mit dem roten Schriftzug ist doch schon zu sehr mit Kinderspielen verknüpft. Marketing funktioniert halt doch… 😉

Posted in Allgemein, Meinung Tagged with: , , , , , ,